Venetianer Terpentin als Eindeckmittel

  • Hallo zusammen,

    ich habe in "[lexicon='Botanische Mikrotechnik',''][/lexicon]" v. 1929 einen Hinweis auf "Venetianer Terpentin" (Lärchenharz) als Eindeckmittel gefunden.

    Davon habe ich bislang noch nicht gehört. Hat jemand hierzu nährere Informationen, insbesondere die einst für die Mikroskopie verwendete Zusammensetzung?
    Selbst nur in 90% Alkohol entwässerte Objekte sollen darin problemlos einzuschließen sein, was ich nach schlechten Erfahrungen mit Schnitten der Teichsimse hochinteressant finde.

    Bei Kremer Pigmente gibt es einen mit Kolophonium versetzten Venetianer Terpentin, und ich überlege, ob ich das mal ausprobiere.

    Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
    Hugo

    Einmal editiert, zuletzt von Büroamöbe (25. August 2016 um 12:08)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hugo

    Ist aber eine saumäßige klebrige Arbeit den sauber zu bekommen für Mikroskopie.

    lg
    Franz

    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Welt wäre so schön wenn Frauen so einfach gestrickt wie die Maxwellschen Gleichungen wären --
    Mann könnte dann Störfelder berechnen und Wellen, Phasen und Ströme ....
    und die Harmonischen ganz leicht checken..

    http://interphako.at

  • Hallo Bernd,

    Terpentinöl (vulgo Terpentin) aus dem Baumarkt, sofern es tatsächlich echtes (Balsam)Terpentinöl ist, ist ein Destillat aus Balsam (Baumharzen). Es hat daher keinen Harzanteil mehr, den nennt man Kolophonium. Es bleibt daher beim Verdunsten (so gut wie) nichts mehr über, was dein Präparat einschließen könnte. Zum Verdünnen diverser Harze ist es aber sehr gut geeignet.
    Terpentinersaz ist meist ein Gemisch aus höhersiedenden Benzinen und anderen, meist unpolaren Lösemitteln.

    Venetianer Terpentin ist eine der besten Balsamarten (=flüchtiges Terpentinöl + festes Harz) ähnlich dem noch "feineren" Kanadabalsam.

    VG
    Klemens

  • Hallo Bernd,

    Ist in der Tat verwirrend und ich bin zunächst dem gleichen Irrtum aufgesessen, aber die Bezeichnung "Terpentin" für ein Lösungsmittel ist falsch:

    Baumarkt-Terpentin = Terpentinöl / Terpentinersatz = Testbenzin = Lösungsmittel
    Terpentin = Harzausflüsse von Nadelbäumen


    Hallo Franz,

    ich wollt´jetzt nicht die Lärchen in der Nachbarschaft anbohren / -zapfen :rolleyes: . Owohl....du bringst mich auf eine Idee... 8o

    Venetianerterpentin kann man z.B. bei Kremer Pigmente kaufen, dort bekommt man ebenfalls sehr guten Kanadabalsam. Ich habe im Urlaub die Firma - eine echte Farbmühle (!) - in Aichstetten aufgesucht, Herr Kremer ist sehr kompetent und hilfsbereit und interessiert sich durchaus für den Einsatz seiner Stoffe außerhalb der Malerei.

    Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
    Hugo

  • Hallo, Klemens.

    Ich hatte mich gerade bei wikipedia schlau gemacht als ich jetzt Deinen Beitrag las. Du hast es so ziemlich auf den Punkt gebracht.

    Ich selbst habe früher nur mit Kanada-Balsam gearbeitet (Plankton auf Membranfilter, Einschluß in Kanadabalsam & Xylol 1+3). Venezianischer Balsam ist für mich ein neuer Begriff.

    Schönen Tag noch.

    Lupo

  • Soviel ich mich erinnern kann, haben wir vor gefühlten 100 Jahren in HTL und UNI bei der Stoffgruppe der Terpene "gelernt" dass die "Damen" in Rom geringe Mengen Terpentin(öl?) getrunken bzw. das Pinienharz gekaut haben, damit der Urin nach Veilchen duftet. Als Abbauprodukt entsteht Ionon, das im Wesentlichen diesen Duft ausmacht. Wahrscheinlich wird das angehenden Chemikern immer erzählt, damit sie sich die Strukturformeln merken .... Eine nette Anekdote, nicht wahr :D

    Klemens

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hugo,

    gereinigter Lerchenbalsam wurde auch von [lexicon='CZJ',''][/lexicon] früher zum Kitten von Linsen eingesetzt.

    fg
    Franz

    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Welt wäre so schön wenn Frauen so einfach gestrickt wie die Maxwellschen Gleichungen wären --
    Mann könnte dann Störfelder berechnen und Wellen, Phasen und Ströme ....
    und die Harmonischen ganz leicht checken..

    http://interphako.at

  • Hallo.

    Ich glaube, daß die Beschaffung einer zuverlässig geeigneten Ausgangssubstanz schwer sein könnte, ausser, man hat schon eine Quelle gefunden. Kanada Balsam ist auch nicht gleich Kanadabalsam. Da gibt es x Qualitäten auf dem Markt.

    Erinnert mich an den Besuch eines Mittelalterdorfes in der Nähe von Berlin, wo man seinen eigenen Harzkleber, ... herstellen konnte. Das Zeug, was ich mir damals aus Wurzelholz gekocht hatte, würde wahrscheinlich auch gut als Einschlußmittel funktionieren.

    Liebe Grüße Jorrit.

  • Hallo Eindecker,

    die Firma

    C.E. Roeper GmbH
    Hans-Duncker-Str. 13
    21035 Hamburg
    Germany
    FON: + 49 40 734103-0
    FAX: + 49 40 734103-35
    E-mail: office@roeper.de

    hat Venetianer Terpentin ohne Zusatz von Kolophonium im Programm. Vielleicht mal nach einem Muster fragen.

    Ist denn bekannt welchen Brechungsindex man mit diesem Einschlussmedium im fertigen Präparat erhält?

  • Danke, Ralf.

    Wenn ich richtig gelesen habe, verkauft die Firma 25 Ltr. Kanister. ich werde morgen mal anrufen, mache mir aber wenig Hoffnung. Ein rein englischer internetauftritt erweckt bei mir immer den Anschein, daß man sich nicht mit Kleinkram abgeben will.

    Eine andere Bezugsquelle findet sich hier, vielleicht fahre ich da mal vorbei.

    Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
    Hugo

  • Liebe Mikroskopiker,

    das ist nun mein erster Beitrag hier, nachdem ich lange Zeit zwar angemeldet war, aber immer nur gelesen habe. Nein, ich bin kein Anfänger mehr; ich mikroskopiere seit mehr als sechzig Jahren.

    Die Erwähnung des venezianischen Terpentins hat mich gereizt, endlich einmal etwas zu schreiben - weil ich zu diesem Thema wirklich etwas zu sagen habe.

    Eines gleich vorweg: Wer nach gutem venezianischem Terpentin sucht, der sollte in jeder größeren Stadt ohne weiteres fündig werden. Nämlich in guten (!) Geschäften für Künstlerbedarf! Dort wird es nämlich in guter Qualität (absolut transparent, dick honigartig) auch in kleineren Mengen angeboten. Maler verwenden es als Zusatz für diverse Firnisse.

    Ich habe bereits vor etlichen Jahren damit bei Insektenpräparaten sehr gute Erfolge erzielt. Ich habe Präparate, die bereits viele Jahre alt sind - sie sehen aus wie am ersten Tag.
    Man muß das käufliche Terpentin mit einer geringen Menge Xylol verdünnen, bis es die zur Verwendung richtige Konsistenz hat. Arbeiten dann wie mit Kanadabalsam oder Malinol. Im Gegensatz zu Kanadabalsam färbt es sich im Laufe der Zeit nicht intensiv gelb, sondern bleibt praktisch farblos. Nach meinem Eindruck schrumpft es beim Trocknen auch kaum. Der Brechungsindex ist dem des Kanadabalsams ähnlich.

    Für Insektenpräparate (wenn sie hell genug sind, bzw. nötigenfalls aufgehellt wurden) ist Terpentin hervorragend geeignet. Ich verwende es dafür praktisch immer.

    Ein Vorteil ist auch, daß es bei den von mir genannten Quellen erheblich billiger ist als Kanadabalsam (bei dem man heutzutage oft an der Qualität zweifeln muß). Übrigens: Kolophonium entsteht aus Terpentin als Rückstand, wenn durch Destillation Terpentinöl aus Terpentin gewonnen wird. Es ist also dasselbe Harz.

    Schöne Grüße
    Gunther

    P.S.: Kann oder muß man man sich hier irgendwo vorstellen? Ich habe nichts derartiges gefunden. Aber falls gewünscht, will ich es gern nachholen.

    • Offizieller Beitrag

    Lieber Gunther,

    auch wenn wir uns einander nicht ganz unbekannt sind, möchte ich dich ganz herzlich hier begrüßen und freue mich über deinen umfangreichen Einstand!

    Für die persönliche Vorstellung gibt es ein Feld im eigenen Profil, das man ausfüllen kann, aber nicht muß. Ich kann aber gerne behilflich sein. :)

    Viele Grüße
    Bernd

  • Lieber Bernd,

    "nicht ganz unbekannt" ist gut! Wenn ich denke, was an meinen Mikroskopen alles von Dir gefertigt wurde...
    Ich schreibe in der letzten Zeit in allen von mir besuchten Foren nicht mehr viel. Bin auch gesundheitlich z.Z. nicht so ganz auf der Höhe.

    Noch einmal zum Terpentin: Ich habe vor langer Zeit schon einmal im deutschen Forum darüber ausführlich berichtet. Leider kann ich diese Beiträge nicht mehr finden, die Suche dort funktioniert nicht richtig. Sonst hätte ich hier einen Link setzen können.

    Schöne Grüße
    Gunther

    Einmal editiert, zuletzt von Ursinus (29. August 2016 um 22:16)

    • Offizieller Beitrag

    Lieber Gunther,

    wenn du dort bereits ausführlich darüber berichtet hast, wirst du doch das wohl hier auch noch schaffen.
    Außerdem wäre die ringförmige Beleuchtung hier auch noch zu behandeln, wenn du schon mal da bist. 8o
    Das aber natürlich in einem separaten Faden. ;)

    VG
    Bernd

  • Eines gleich vorweg: Wer nach gutem venezianischem Terpentin sucht, der sollte in jeder größeren Stadt ohne weiteres fündig werden. Nämlich in guten (!) Geschäften für Künstlerbedarf! Dort wird es nämlich in guter Qualität (absolut transparent, dick honigartig) auch in kleineren Mengen angeboten. Maler verwenden es als Zusatz für diverse Firnisse.

    Ich habe bereits vor etlichen Jahren damit bei Insektenpräparaten sehr gute Erfolge erzielt. Ich habe Präparate, die bereits viele Jahre alt sind - sie sehen aus wie am ersten Tag.
    Man muß das käufliche Terpentin mit einer geringen Menge Xylol verdünnen, bis es die zur Verwendung richtige Konsistenz hat. Arbeiten dann wie mit Kanadabalsam oder Malinol. Im Gegensatz zu Kanadabalsam färbt es sich im Laufe der Zeit nicht intensiv gelb, sondern bleibt praktisch farblos. Nach meinem Eindruck schrumpft es beim Trocknen auch kaum. Der Brechungsindex ist dem des Kanadabalsams ähnlich.

    Für Insektenpräparate (wenn sie hell genug sind, bzw. nötigenfalls aufgehellt wurden) ist Terpentin hervorragend geeignet. Ich verwende es dafür praktisch immer.

    Ein Vorteil ist auch, daß es bei den von mir genannten Quellen erheblich billiger ist als Kanadabalsam (bei dem man heutzutage oft an der Qualität zweifeln muß). Übrigens: Kolophonium entsteht aus Terpentin als Rückstand, wenn durch Destillation Terpentinöl aus Terpentin gewonnen wird. Es ist also dasselbe Harz.

    Hallo Gunther,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich geb´s zu: Ich hatte auf die Antwort eines Anwenders gehofft, aber nicht damit gerechnet!

    Nach dem kleinen Hinweis, den ich in o.g. Buch gelesen habe, wollte ich gern weitere Informationen zusammentragen, um zu entscheiden, ob ich dieses Harz kaufen soll oder ob ich´s lieber lasse. Nach den erfolgreichen Experimenten mit Dammarharz war der Reiz, etwas neues in dieser Richtung auszuprobieren, groß.

    So werde ich denn morgen mein Glück zunächst einmal beim örtlichen Künstlerbedarf versuchen, wenn der Laden das Harz nicht hat werde ich bei Kremer Pigmente bestellen, denn dein Hinweis auf das Kolophonium hat meine Benken bzgl. des Kremerschen Venezianerterpentins zerstreut.

    Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
    Hugo

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!