Damar-Balsam selbst herstellen

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    • Damar-Balsam selbst herstellen

      Hallo Forum,

      Im Anschluss an diesen Faden ( Einschlußmittel ) wurde ich gefragt, wie man Damar/Dammar-Balsam selbst herstellt. Hier also die Anleitung.

      Damar-Balsam gilt als sehr langlebiges Einschlussmittel fuer Dauerparaeparate. Im Gegensatz zu Canada-Balsam dunkelt es nicht nach und ist kaum saeurehaltig. Selbst hergestellter Damar-Balsam sollte jahrzehntelang haltbar sein. Das einzige Risiko sind Kristallbildungen (bekannt von vielen "Schnelleinschlussmitteln"), die nach 50+ Jahren zu einer langsamen Zerstoerung der Praeparate fuehren koennten. Dazu gibt es noch keine Erfahrungswerte; 100 %ige Sicherheit bietet nur Canada-Balsam!


      Als Quelle des Damar-Harzes kommen eine Reihe von suedost-asiatischen Fügelfruchtgewächsen in Frage, insbesondere Baeume der Gattung Shorea. faculty.ucr.edu/~legneref/botany/gumresin.htm#damars Die Harze unterschiedlicher Baumarten haben wahrscheinlich auch Einfluss auf die Eigenschaften des Damar. Das Damar-Harz kann problemlos im Internet gekauft werden, 1 kg ab etwa 10 Euro (!). Es sollten hell-gelbe, unaufbereitete Harzbroken sein.


      Damar ist ein natuerliches Gemisch aus Harzen, kurzkettigen, fluechtigen Bestandteilen, Spuren von Wasser und Pflanzenteilen. Damar ist auch aufbereitet zu kaufen (dewaxed); dieses Harz wuerde thermisch aufbereitet, es ist dunkler und hat weniger kurzkettige Bestandteile. Solches aufbereitetes Harz ist ungeeignet. Die kurzkettigen Bestandteile des Harzes dienen als Weichmacher im Damar-Balsam und sind notwendig, um die Kristallisation des Harzes zu verhindern. Also nur hell-gelbe, unaufbereitete Harzbroken kaufen!


      Fuer die Aufbereitung sind groessere Mengen Xylol notwendig. Brandschutz beachten; keine offenen Flammen. Fuer guten Abzug sorgen, entweder im Labor oder im Freien arbeiten, nicht in beschlossenen Raeumen oder im Keller!



      Sie brauchen:


      Damar-Harz
      Xylol
      Mikrowelle
      Heizplatte
      Glasstab
      Filterpapier
      Trichter (ab besten aus Glas)
      Becherglaeser
      Weithalsflaschen

      1) Erhitzen Sie das Damar-Harz in der Mikrowelle (dauert etwas) oder auf einer Heizplatte bis es schmilzt. Damar schmilzt bei 105C. Dabei schaeumt des Harz etwas auf. Ruehren Sie mit einem Glasstab, bis alles geschmolzen ist. Die Hitze treibt das in Spuren noch vorhandene Wasser aus. Nicht zu lange und zu hoch erhitzen, sonst koennte das Harz geschaedigt werden.

      2) Das 3 bis 6-fache Volumen Xylol zugeben und das Harz darin aufloesen. Im Bild unten waren es 150 g Damar mit Xylol auf 400 ml aufgefuellt. Das Aufloesen bei 50C hat 2 Stunden gedauert. Mit mehr Xylol ist die Loesung duennfluessiger und einfacher zu filtrieren. Am Boden setzen sich Pflanzenteile aus dem Harz ab.

      3) Filtrieren Sie die Loesung noch warm durch Filterpapier. Ich hatte eine Vakuumpumpe, so war es einfach. Zwei Kaffeefilter ineinander funktionieren aber auch (mehr Xylol ist notwendig). Guenstig ist auch, die groben Pflanzenteile abzutrennen, indem man zuerst durch Glaswolle vor-filtriert.

      4) Nun den Damar auf die gewuenschte Viskositaet eindicken. Kleine Menge fuer den sofortigen Gebrauch, den Rest auf der Waermeplatte (50C; nicht zu heiss!) fuer 1-2 Tage oder in locker verschlossener Flasche an gut belueftetem Ort fuer ein paar Wochen.

      5) Vor Gebrauch den Balsam auf 40C erwaermen (USB Kaffeetassenwaermer!), so ist er beim Gebrauch duennfluessig und wird nach erkalten schnell hart. Damar-Balsam erfordert Xylol, Toluol oder Orangen-Terpene (Rotihistol) als Intermedium; 100 % Alkohol reicht nicht aus.


      Das ist alles! Wirklich einfach und preiswert zu machen, wenn man bereits ein Heimlabor hat oder mit einem Chemiker befreundet ist.

      Beste Gruesse,

      Jon


      Hell-gelbe unaufbereitete Damar-Harzbroken



      Fertig geschmolzenes Harz




      Nach Aufloesen in Xylol, mit Pflanzenteilen




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      Fluessiges Gold!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von JayB ()

    • Hallo zusammen,

      ich habe es am Wochenende dank Jons Beitrag geschafft, meinen mißglückten Dammarbalsam Ansatz zu retten. Ich hatte vor längerer Zeit versucht, Dammarharz in Balsamterpentin zu lösen, was mir in kochendem Wasser nicht gelungen war (eben nicht heiß genug). Das Ergebnis waren 2 Weithalsflaschen mit einem festen Klumpen Harz am Boden und Balsamterpentin mit etwas gelöstem Harz darüber. Mischen impossible.

      Die Flaschen habe ich in der Mikrowelle erhitzt (meine Frau war nicht da...) gründlich umgerührt...und siehe da: eine homogene Masse. Diese muss nun noch etwas verdünnt (mir war nicht klar, daß man soviel Lösungsmittel braucht) und filtriert werden.
      Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
      Hugo
    • Hoi Mike

      Mach einfach eine Kategorie Rezepte für die Mikroskopie, ich stell dann auch da was ein

      das passt sicher.

      lg
      Franz
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      Die Welt wäre so schön wenn Frauen so einfach gestrickt wie die Maxwellschen Gleichungen wären --
      Mann könnte dann Störfelder berechnen und Wellen, Phasen und Ströme ....
      und die Harmonischen ganz leicht checken..

      http://interphako.at