Probleme mit der Justage eines Jenapol u

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    • Probleme mit der Justage eines Jenapol u

      Liebe Forumsmitglieder,

      ich habe mich heute im Forum angemeldet, da ich Probleme habe, ein aus mehreren Einzelteilen zusammengekauftes Jenapol u, sauber zu zentrieren. Die Teile des Mikroskops passen alle gut zusammen, mit der Optik habe ich auch keine unlösbaren Probleme. Mein Problem besteht darin, dass ich den Drehtisch nicht zu den Objektiven gleichzeitig zentrieren kann. Ich kann den Drehtisch in geringem Maße verschieben (Schrauben auf- Schrauben zu), kann auch meine Objektive zentrieren kann den Objektivrevolver verschieben und wohl auch den "Pol-Kopf" als Ganzes. Den Tisch habe ich vorher an meinem Jenavert benutzt und dort ließen sich alle Objektive problemlos zum Tisch zentrieren. Das Problem ist also vermutlich ein eher mechanisches, als ein optisches. Hat jemand ein "Kochrezept" für mich, wie ich am sinnvollsten an diese Arbeit herangehen muss, da es doch verschiedene Stellmöglichkeiten am Gerät gibt. Ich frage lieber vorher, bevor ich eine größere Dejustage durch "nicht fragen" verursacht habe.

      Herzliche Grüße

      Rainer

      PS.: Bin von Beruf Werkstoffwissenschaftler, Jahrgang 61 und arbeite seit gut 20 Jahren mit Polmikroskopen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Rainer Marten () aus folgendem Grund: Korrektur Schreibfehler

    • Hallo Rainer,

      als neues Forenmitglied sei erstmal recht herzlich begrüßt!

      Wenn sich so eine Zentrierung nicht herstellen läßt und die Verschiebemöglichkeit durch Lösen der Tischbefestigungsschrauben nicht hinreicht,
      kann es schon sein, daß eine andere Baugruppe ungünstig festgeschraubt ist, wenn sie nicht gerade verstiftet ist.
      Bei der Justage geht man systematisch und möglichst ohne Optik im Strahlengang vor. Passende Einsätze in Bohrungen als Lochblende helfen dabei, die Baugruppen zueinander zu zentrieren.
      Ein verstellter Anschlag an einer Wechselaufnahme wie z.B. die Schwalbe kann auch die Ursache sein.
      Möglich wäre auch, daß die Revolverrastung etwas verstellt ist, so daß die Gewindeauflage nicht mehr parallel zur Tischoberfläche ist und die Objektive zwangsläufig schielen, auch wenn alles andere korrekt justiert ist.

      VG
      Bernd
    • Hallo Bernd,

      vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Wir haben übrigens bei Olaf beim Spindelkurs in Bochum nebeneinander gesessen, ich bin der mit dem Holztisch. Ich werde Deine Tipps beherzigen und mal sehen, ob ich wieder alles auf Achse bekomme.

      Mein bisheriges Vorgehen war so, dass ich den Pol-Kopf auf dem Stativ befestigt habe und mit dem eingebauten 1,6er Objektiv den Tisch durch Verschieben zentriert habe. Anschließend habe ich dann nach der Zentrierung des Tisches ein 10er Objektiv mit den Justierschrauben passend zum Tisch zentriert. Das ging auch noch ganz gut, aber die anderen Objektive lassen sich nicht mehr zentrieren und mit dem 50er bekomme ich es gar nicht hin, auch wenn ich den Tisch passend zum 50er verschieben möchte, derzeit komme ich an das Zentrum des Drehtisches nicht heran. Ich habe auch schon mit der Anschlagschraube vom Revolver gespielt, aber irgendwie hat es auch noch nicht gereicht. An den Endanschlag vom Polkopf, auf dem Stativ selbst, habe ich mich noch nicht herangewagt. Ich habe heute Abend Zeit, mich noch einmal gründlich mit der Zentrierung zu beschäftigen, Ich berichte dann wie es weiter gegangen ist.

      Herzliche Grüße

      Rainer
    • Hallo Rainer,

      natürlich erinnere ich mich an den Spindelkurs und an den Holztisch! So trifft man sich also wieder! 8o
      Manchmal ist die Welt eben mikroskopisch klein. ^^

      Beim Pol-Mikroskop hat man ja neben der Tubus-Achse, der Objektivachse eben auch noch die Drehachse des Tisches, die in Deckung gebracht werden müssen. Da die Objektivachsen aber nun doch voneinander abweichen können, hat man den Ausgleich über die Zentrierschrauben an den Objektivfassungen. Nun hast du den Zentriervorgang mit der Tischverschiebung mit dem schwächsten Objektiv begonnen, aber sinnvoller wäre es gewesen, ihn erstmal beim stärksten, also dem 50er durchzuführen. Wenn das nicht klappt, muß eben weiter danach gesucht werden, was dejustiert sein könnte. Nur braucht man dazu eben auch die nötigen Prüfmittel.

      VG
      Bernd
    • Hallo Bernd,

      gestern habe ich mich noch einmal an die Zentrierung des Jenapol u herangemacht und habe einen anderen Revolver ausprobiert. Letztendlich konnte ich nach etwas Schieberei von Tisch und Revolver vier der fünf Augen mit Objektiv zentrieren. Darunter auch das 50er. Wenn ich das eingebaute 1,6er Objektiv benutzen will muss ich sowieso eines der Augen freilassen. Das wichtigste Ergebnis ist für mich aber, dass es grundsätzlich zu zentrieren geht ohne am Pol-Kopf etwas ändern zu müssen und zweitens, dass ich meine beiden Revolver mal gründlich überholen muss, denn da ist viel zäher grüner Schleim drin. Langsam aber sicher komme ich ans Ziel. Ich berichte weiter!

      VG

      Rainer
    • Hallo Rainer,

      ja mach das!
      Gerade bei solchen Sachen können bei den Wechselteilen wie Tuben, Revolver u.ä. ganz schöne Toleranzen auftreten, weil eben in allem ein gewisses Spiel sein muß, damit man es zwar leicht montieren kann, aber das summiert sich.
      Hast du mal kontrolliert, ob sich das Fadenkreuz im Okular auch wirklich an der Stelle der Tubusachse befindet und nicht etwas daneben?
      Wenn du das Okular drehst, wirst du es merken. Denn auch die Strichkreuzplatte muß eben etwas Luft haben in der Fassung, wenn auch sehr wenig.
      Die Gefahr ist eben groß, daß solche Fehler dann in das System mit einjustiert werden können.

      VG
      Bernd
    • Hallo Bernd,

      die Gefahr mit dem Fadenkreuz im Okular besteht nicht, denn beim Jenapol u ist das Fadenkreuz gleich im Pol-Kopf mit verbaut, da habe ich gar keinen Zugriff. Ich habe auch noch gar nicht herausgefunden, wo das eigentlich genau sitzt. Dem werde ich aber mal nachgehen, weil es mich ebenfalls interessiert. Die Filter sind aber alle perfekt orientiert, wie ich mit meiner Halbschattenplatte überprüfen konnte. Auch die Orientierung der Folien zum Fadenkreuz stimmt perfekt, was ich mittels eines Anhydritkristalls (dem Olaf sei Dank!) ebenfalls überprüfen konnte.

      Herzliche Grüße

      Rainer
    • Rainer Marten schrieb:

      ich schau mal, was ich heute noch zu dem Fadenkreuz herausfinde.
      Hallo Rainer,

      eine schöne Gerätebeschreibung zum Jenapol habe ich gefunden (Seite 9 und 10):
      interphako.at/PDF/jenars832_ges.pdf

      Demnach gibt es also im Polkopf eine Zwischenbildebene für das Fadenkreuz, so daß man es nicht im Okular unterzubringen braucht.
      Einen Spindeltisch, den du eingangs erwähnt hattest, gibt es übrigens auch als Zubehör.

      VG
      Bernd
    • Hallo Bernd,

      danke für die PDF-Datei, da kann man es auch nachlesen. Die Bilder habe ich schon gemacht, komme aber erst heute Abend zum Hochladen. Habe gerade die Büchse der Pandora geöffnet, sprich den Revolverkopf, und stand vor einem Meer von kleinen Kugeln, die sich alle im Inneren des Revolverkopfes verteilt hatten. Habe sofort eine "Herrmannsche Angstwanne" geholt und darin alles ausgekippt. Kugeln mit Aceton ins Ultraschallbad und den Rest mit Waschbenzin saubergemacht. Die Augen am Revolver kann ich nicht rausnehmen, da mir dafür die nötigen Werkzeuge fehlen. Tüchtig mit Waschbenzin gespült tut es aber auch. Inzwischen sind alle Kugeln wieder dort wo sie hingehören, in ihrer gesäuberten und frisch gefetteten Rinne. Fummelkram pur! Die Augen im Revolverkopf sind auch frisch gefettet, bin gespannt wie es heute Abend weitergeht. Den zweiten Revolverkopf hebe ich mir aber für morgen auf, derzeit müssen sich die Nerven noch ein wenig beruhigen.

      Gruß

      Rainer

      PS.: Ist mein erster geöffneter Revolver gewesen!
    • Hallo Kollegen

      Vorsicht mit dem Schieber vom Fadenkreuz:
      Bei einigen Modellen besteht das Fadenkreuz aus hauchdünnem Wolfram Draht.
      Habe so einen Drath zwar hier, aber das einkleben , dass der dann wieder rechtwinklick drinnen sitzt.....
      hat mich eine lange Zeit einmal gekostet.

      fg
      Franz
      --------------------------------------------------------------------------------------------------
      Die Welt wäre so schön wenn Frauen so einfach gestrickt wie die Maxwellschen Gleichungen wären --
      Mann könnte dann Störfelder berechnen und Wellen, Phasen und Ströme ....
      und die Harmonischen ganz leicht checken..

      http://interphako.at
    • Rainer Marten schrieb:

      Die Augen im Revolverkopf sind auch frisch gefettet, bin gespannt wie es heute Abend weitergeht. Den zweiten Revolverkopf hebe ich mir aber für morgen auf, derzeit müssen sich die Nerven noch ein wenig beruhigen.
      Hallo Rainer,

      so lernst du eben das Gerät nach und nach besser kennen. Wie aus der PDF-Datei zu ersehen, ist es ja auch nicht mehr das Jüngste und ich könnte mir vorstellen, daß auch beim Pol-Drehtisch etwas Handlungsbedarf besteht. Läßt er sich denn noch leicht drehen oder geht es schon schwer oder gar rubbelig, weil das Fett schon eingetrocknet ist?

      Rainer Marten schrieb:

      PS.: Ist mein erster geöffneter Revolver gewesen!
      Und ich hatte dagegen noch gar keinen vom Jenapol geoffnet. ^^ Aber die Lagerung sollte auf keinen Fall zu stramm eingestellt werden, sonst läuft der Revolver beim Drehen wie auf Kopfsteinpflaster.

      VG
      Bernd
    • Hallo Bernd,

      der Drehtisch funktioniert eigentlich ganz gut, der dreht leicht, die 45°-Rast funktioniert gut. Das Einzige was mich stört ist, dass der Tisch nicht so exakt ist, wie die Zeiss West Tische. Wenn ich den Tisch bei irgend einem Winkel fixiere und die Rast 45° weiterdrehe zeigt mir die Skala meistens 45° +- 0,2°. Ob das auf Verschmutzung zurückzuführen ist kann ich nicht sagen. Wenn der Rest hinreichend funktioniert, kann ich aber auch den Tisch mal zerlegen, vorausgesetzt ich benötige keine Spezialwerkzeuge.

      Gruß

      Rainer
    • Hallo Bernd,

      ich versuche mal zwei Bilder ins Forum zu stellen:




      So schaut das geöffnete Jenapol von rechts aus. Das Licht kommt von unten und wird von dem Schrägspiegel (hier in dem dunklen Quadrat zu ahnen) nach rechts reflektiert. Das Licht trifft dann auf den gut zu sehenden anderen Spiegel rechts, der das Licht nach unten reflektiert, wobei es durch die Feldblende geht die waagerecht im Bild liegt und dann durch einen hier nicht zu sehenden Spiegel zum Binokulartubus geworfen wird. Weitere Details kann man auf der Aufnahme von links sehen.




      Von links kann man unten die normale Optik sehen, die das Licht nach oben durchläßt, im Hintergrund ist das eingebaute 1,6er Objektiv zu sehen, was über die, jetzt abgeschraubte Zugstange, bewegt werden kann. Der Mechanismus der Amici-Bertrandlinse ist ebenfalls zu sehen. Dort sind zwei Optiken vorhanden. Einmal für die ausgeschaltete Linse der Teil der vermutlich auch das Fadenkreuz trägt und dann die Linse selbst, wenn man die Amici-Bertrandlinse in den Strahlengang klappt.
      Bei Benutzung der A-B-Linse kann ich das Fadenkreuz nicht sehen.

      Links unten im Bild ist jetzt auch der Schrägspiegel zu sehen, der das Licht in den Bino wirft. Das Prisma, das das Licht in den Fotoausgang umlenkt verdeckt jetzt den anderen Schrägspiegel, der das Licht nach unten wirft. So, nun sind alle Klarheiten beseitigt, aber einen gezeichneten Strahlengang konnte ich nicht finden.

      Man kann dem Gerät an ein paar rostigen Schrauben auch das Alter ansehen aber im Vergleich zu meinen Zeiss-Winkel-Standards ist es noch recht jung und die Optik ist sehr fein. Mikroskope sind zum Durchsehen und nicht zum Ansehen.

      Mein gereinigter Revolver ließ sich sehr gut anbringen und ich konnte sofort vier der fünf Objektive zentrieren, ohne Probleme. Das fünfte wollte sich aber auch in den anderen Augen nicht zentrieren lassen, so dass ich inzwischen auch davon ausgehe, dass nicht jedes Objektiv in jedes Auge passt.

      Bei meinem Jenaval Interphako sind in der Bedienungsanleitung ja auch explicit die Objektive und die zu verwendenden Augen genannt. Irgendeinen Grund muss das doch auch haben.

      Wenn ich meinen Drehtisch jeweils nur um 45° vorwärts oder rückwärts drehe, ist die Abweichung fast Null. Sie wird nur größer, wenn ich mit Raste weiterdrehe. Was ja eigentlich auch nicht sein muss, da ich meistens aus einer bestimmten Position nur 45° vor oder zurück drehen muss, um Objekte für die Messung in Subtraktionsstellung zum Kompensator zu bringen.

      Soviel für heute

      Herzliche Grüße

      Rainer
    • Hallo Rainer,

      Danke für den "Einblick" und die Erläuterungen. Da sollte man unbedacht keinesfalls irgendwelche Befestigungsschrauben lösen, weil sonst wieder justiert werden müßte.
      Ich hoffe, die Stellmechanik für die Amici-Bertrand-Linse ist noch einigermaßen leichtgängig.
      Bist du sicher, daß das Fadenkreuz sich im Bereich der AB-Linse und nicht bei der Feldblende befindet? Schließlich ist es in einer Zwischenbildebene, die mit dem Dingfeld konjugiert ist.
      Ohne die vielen Umlenkungen müßte der Strahlengang in die Höhe verlaufen und man könnte nur im Stehen mikroskopieren.

      VG
      Bernd
    • Zwischenzeitlich habe ich noch den Beyer-Riesenberg durchgeblättert, Handbuch der Mikroskopie, und bin dabei auf Folgendes gestoßen, zumal du bereits das Stichwort Jenaval Interphako angeschnitten hast:


      Von den Aufsätzen gibt es nun mehrere Varianten, leider ist die Aufnahme nicht ganz reflexfrei gelungen, der vom Jenapol, den du freundlicherweise von innen gezeigt hast ist der dritte von oben. Im Jenaval Interphako geht es sogar noch etwas komplizierter zu, dazu diese schematische Darstellung aus dem Buch:

      Bei dieser Konstellation gibt es sogar zwei Zwischenbildebenen O' und O'', bevor es zum Zwischenbild im Okular O''' kommt, um dort Messplatten oder auch das Fadenkreuz anordnen zu können. Auch eine weitere Aperturebene AP' ist von großer Bedeutung. Sie liegt im Interferometer, wo der Kontrast erzeugt wird. Beim Kontrasttubus sind dort die Phasenringe für den positiven und den negativen Phasenkontrast.
      Beim einfachen Aufsatz wird dieser Aufwand natürlich eingespart, zwischen der Tubuslinse und dem Okular gibt es nur ein Strahlenteilerprisma für den Fotoausgang, aber eben keine weiteren Zwischenabbildungen und Aperturebenen.

      VG
      Bernd