Haare mikroskopieren

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    • Haare mikroskopieren

      Guten Morgen :) ,

      ich arbeite ehrenamtlich im Wildtierschutz und möchte ID-Bestimmung von Tierhaaren durchführen.
      Beruflich arbeite ich in der Qualitätskontrolle eines Pharmaunternehmens, kann also praktisch mikroskopieren, das beschränkt sich aber auf pflanzliche Drogen.
      Ich habe keinerei Erfahrung mit Mikrotomen, biologischem Material oder Aufarbeitung die über "Medium draufkippen" hinausgehen.

      Ich habe lange gegooglet und finde zum Thema "Haarstrukturanalyse" nur Methoden und Beiträge von 1990 oder älter.
      Die Methoden reichen von "Deckglas drauf, fertig" bis hin zu aufwendigen Aufarbeiten mit Gelatine und Mikrotomen.
      Hat von euch jemand eine aktuelle Methode, Erfahrung, irgendwas?

      Bin für jeden Tipp sehr dankbar, ich würde gerne die Haare an sich + Querschnitte mikroskopieren wollen.
      Anbei ein Foto was ich ungefähr erkennen müsste, das Bild stammt aus dem Bestimmungsschlüssel nach dem ich arbeiten würde.

      Da ich keinerlei Erfahrung mit Mikrotomen habe, falls jemand eine gute Bezugsquelle kennt oder weitere Tipps hat, nehme ich auch gerne :).

      Danke euch, viele Grüße aus Münster & habt ein schönes Wochenende!
      Bilder
      • FIGURE+03 +Structure+of+a+guard+hair+and+cuticular+scale+patterns+of+the+guard+hairs+of+some+mammals.jpg

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von gaupe ()

    • Hallo Guten Morgen und herzlich willkommen, Hier bist du auf jeden Fall richtig mit deiner Fragestellung. Du hast sehr effizient Vorstellung und erste konkrete Frage gleich zusammengefasst. Ich bin hier nicht der Admi und somit kein "Bestimmer" würde aber als doch wohlgelittener Teilnehmer anregen, dass du diese Vorstellung noch in die MitgliederRubrik duplizierst und - das ist eine Marotte von mir und überhaupt nicht verpflichtend - einen Vornamen angibst, dann kann man dich freundlich ansprechen. Deinen Nickname kannst du ja trotzdem behalten. Nun zu deinem Anliegen:

      Ich habe mich mal intensiver mit Haarmikroskopie beschäftigt und daraus ist ein Vortrag geworden. Und das war ausgelöst durch einen Vortrag bei den Tübinger Mikroskopikern von einem Mitarbeiter des LKA Stuttgart, der dort der Spezialist für forensische Untersuchung von Haaren ist. Die haben einen riesige Sammlung von Tier und Menschenhaaren. Und die liegen alle lose auf Objektträgern mit einem großen Deckglas bedekt also in Luft und nicht in Eindeckharz eingeschlossen. Optisch nicht ganz ideal, aber man kann dadurch immer mal ein Stückchen Haar entnehmen für Spezialuntersuchungen.Querschnitte machen die praktisch nicht.Es gibt eine Methode_ man legt ein Haarbüschel einigermaßen parallel auf einen Teflonblock und setzt eine Raupe Schmelzkleber drauf. Nach erkalten kann man dann von Hand feine Scheibchen abtrennen - besser gehts mit einem Mikrotom.

      Methoden Hellfeld, Dunkelfeld Polarisation DIC auch Fluoreszenz kann man einsetzen. Anbei ein paar Beispiele

      Eine Bitte: kannst du mir den Link zur Pdf des Buches geben. Ich habe nur eine sehr schlecht aufgelöste Kopie davon.








      Mit herzlichen Mikrogrüßen

      Klaus

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Klaus Herrmann ()

    • Hallo "Gaupe"

      Beim Versuch, 'Haare von Wildtieren' zu bestimmen, stösst man bald auf das Problem, dass die Ganzkörperbehaarung von Wildtieren aufgrund der Variabilität von Typen und saisonbedingtem Haarwechsel eine ganz Reihe von Problemen aufwift. Auch beim Menschen unterscheidet man Kopf, Bart, Scham und Körpergehaarung, sowie Wimpern, Nasenhaare etc..

      Es wäre deshalb selbst mit einer großen Sammlung von Vergleichs- und Referenzhaaren nicht leicht. Speziell wenn man nicht weiss, woher die Haare stammen.

      Zudem soll in Ihrem Fall die Methode der Haarbestimmung vermutlich dazu verwendet werden, um das Vorkommen seltener Arten, etwa der Wildkatze, des Luches oder Wolfes nachzuweisen. Hierzu werden üblicherweise Kratz- und Scheuerpfosten mit Lockstoffen eingesetzt und so die Haare gesammelt.

      Wir hatten hier im Tübinger Institut für Evolution und Ökologie unlängst einen Vortrag, bei dem es um den Nachweis des Vorkommen der Wildkatze im Schönbuch ging. Auch da wurden einige wenige Haare an Lockpfosten eingesammelt und untersucht. Allerdings lassen sich unter dem Mikroskop allenfalls Katzenhaare von Reh- oder Wildsäu-Haaren/Borsten unterscheiden. Die Trennung von Haus- und Wildkatze (oder Hund von Wolf etc.) gelingt eigentlich nur molekulargenetisch. Das ist heutzutage auch keine Hexerei mehr und kann relativ kostengünstig durchgeführt werden (=> spezifische Primer, PCR, Gel-Elektrophorese und Sequencierung).

      Das technische Vorgehen zur Mikroskopie der Haare (Behaarung) hat Klaus schon skizziert. Weiter gehende Empfehlungen wären nur möglich, wenn Sie etwas mehr über Ihr "Projekt" berichten.

      Freundliche Mikrogrüße,

      Alfons
    • Hallo Klaus und Alfons,

      herzlichen Dank für eure ausführlichen Antworten und die fantastischen Fotos!
      Stimmt, mein Vorname steht nicht in meinem Thread, eigentlich mache ich das.. Michael.
      Finde das persönlich für ein freundliches Miteinander auch von Vorteil.

      Ich habe leider keine PDF zum Buch, habe den Anhang kurz über die google-Fotosuche runtergeladen, das Buch habe ich im Original zuhause.
      Weiter unten auf der Seite sieht man noch etwas mehr inhaltliches.

      books.google.de/books/about/Ha…=exlhpOZ__BEC&redir_esc=y

      Ich bin mir leider der Probleme bewusst (verschiedene Haartypen, x verschiedene Spezies etc), mein Projekt soll grob in folgene Richtung gehen:

      Mich faszinieren vor allem die Marderartigen (Iltis, Mauswiesel, Steinmarder, Baummarder, Hermelin, Dachs, Fischotter, Mink..) und oft kann man z.B. auf Wildkameras Baum- und Steinmmarder nicht eindeutig unterscheiden (schlechte Auflösung, Schatten, ungünstige Position etc).
      Genetische Analyse ist kein Problem, ich würde aber gerne die aus Klebefallen gewonnenen Haaren zur mikroskopischen Unterscheidung verwenden.
      Das wird nicht einfach, ich bin aber gut vernetzt und komme an Haarproben der jeweiligen, sicher bestimmten Marderartigen (Tierparks, Wildtierstationen etc) und hätte also zusätzlich zum o.g. Buch Referenzhaare.

      Das ganze mache ich aus Monitoringsgründen, ich bin zert. Fährtenleser und will mich viel intensiver mit den Tieren beschäftigen, ein bisschen Forschungs- und Spieltrieb spielt da definitiv auch mit :).
      Aktuell habe ich kein ausreichendes Mikroskop zuhause, würde mir extra für diese Arbeit eins zulegen (das "Firmenmikroskop" nutze ich immer nur kurzzeitig aber nicht für Projekte).
      Falls ihr extreme Bedenken bei meinem Projekt habt spare ich mir gerne die Anschaffung, bin da für jede ehrliche Meinung/Erfahrung dankbar!
      Sollte mein Feld eher unerschlossen sein (Bestimmungsschlüssel der Marderartigen mit diversen Haaren) würde ich mich gerne reinfuchsen.

      @Klaus: Hast Du Folien zu deinem Vortrag und magst Du die teilen?
      Das Thema ist komplett neu für mich, bin für jeden Tipp extrem dankbar.

      Beste Grüße,
      Michael
    • gaupe schrieb:

      Falls ihr extreme Bedenken bei meinem Projekt habt spare ich mir gerne die Anschaffung, bin da für jede ehrliche Meinung/Erfahrung dankbar!
      Sollte mein Feld eher unerschlossen sein (Bestimmungsschlüssel der Marderartigen mit diversen Haaren) würde ich mich gerne reinfuchsen.
      Hallo Michael,

      ganz und gar nicht! Zufällig haben wir uns bei unseren letzten beiden Mikrotreffen mit Haaren und Fasern beschäftigt und uns dabei diverse Haartypen von Tieren angeschaut und dazu sogar vom Zoo in der Nähe noch Material bekommen. Obwohl wir uns noch nicht näher vertiefen konnten, war es schon hochinteressant, die Unterschiede zu beobachten.
      Wenn man nur lediglich ein Decklas drauflegt und trocken beobachtet, läßt sich zwar noch nicht viel erkennen, aber mit etwas Öl als Einschlußmittel kommt schon einiges zum Vorschein. Die Querschnitte dagegen dürften wohl eine etwas größere Herausforderung werden.

      VG
      Bernd
    • Danke :)

      @Bernd: Das klingt super! An die Querschnitte wage ich mich später ^^.
      Welches Öl wüdest Du empfehlen? Ich kenne Paraffin von der Arbeit, würde aber meinen "Schlüssel" später gerne Privatleuten zur Verfügung stellen und die Beschaffung aller Materialien sollte so einfach wie möglich sein.
      Mikrotreffen klingen spannend, muss ich mich mal umschauen, habe eben auf die schnelle keins in meiner Nähe gefunden.

      @Klaus: Richte ich gleich ein und schicke es dir per Mail, danke!

      Ich habe mich ewig in keinem Forum mehr angemeldet, aber hier fühle ich mich gerade richtig wohl :).
    • gaupe schrieb:

      Mikrotreffen klingen spannend, muss ich mich mal umschauen, habe eben auf die schnelle keins in meiner Nähe gefunden.
      Ja in Münster ists fünster mit Mikroskopikern. Bremen oder Hannover (bei Bernd) ist wohl das nächste.
      Aber du siehst die Fernunterstützung ist durch dieses Forum perfekt. Und hier gibt es Fachleute - was die nicht wissen wissen andere auch nicht! ;)
      Mit herzlichen Mikrogrüßen

      Klaus
    • Hallo Michael,

      so banal es klingen mag, aber normales Speiseöl reicht für die erste Beobachtung und verdunstet auch nicht, so daß es lange Zeit hält, wenn man vorsichtig mit umgeht. Aber man kann es natürlich auch mit anderen Eindeckmitteln machen. Ich hatte es mal mit Malinol probiert, weil es gerade vorrätig war.

      VG
      Bernd
    • Hallo Michael,

      Es ist für den Anfang sicher interessant und auch sehr lehrreich, mit den verschiedensten Einbettungsmitteln sowie Beleuchtungs- und Beobachtungsmethoden zu experimentieren. Dann aber sollte zügig EIN geeignetes Einbettungsmittel für Dauerpräparate ausgewählt und ALLE Präparate in diesem Mittel nach EINER Methode eingebettet werden.

      Versuche mit Ölen verschiedener Zusammensetzung sind deshalb für die Orientierung wichtig, aber für das Endziel wenig sinnvoll. Erstens, weil die Präparate nicht beständig sein werden und zweitens, weil kaum Vergleiche mit anders eingebetteten Haaren gemacht werden können.

      Mein Vorschlag für das Einbettungsmittel wäre Euparal (grün, falls möglich, sonst das dünnflüssigere 'gelbe' Euparal). Auf einer Heizplatte be ca. 50 °C sind die Präparate nach eingen Tagen genügend getrocknet. Beschwerung des Deckglases nicht vergessen!

      Diese Dauerpräparate können dann archiviert und jederzeit mit den verschiedenen Methoden betrachtet werden: Auf- und Durchlicht, Phasenkontrast, DIK und ev. Fluoreszenz (sofern das Euparal nicht selbst fluoresziert!).

      Viel Erfolg!

      Alfons
    • Guten Morgen :),

      @Klaus: Supernett, aber wird nicht nötig sein, vor allem übersteigt das Porto ja schon den Wert.

      @Alfons: Danke für deine Tipps! Ich würde natürlich langfristig eine feste Methode etablieren und den Bestimmungsschlüssel auch von unabhängigen Leuten verifizieren lassen, mein Anspruch wäre ja eben genau was Du schreibst: Eine robuste, einfache Methode, die andere Leute anwenden können bzw die ihre Ergebnisse auf Grund identischer Durchführung mit meinen vergleichen können.
      Eurapal ist relativ teuer (100g ca 50€), ist für mich auf Grund vieler geplanter Präparate erschwinglich, aber wenn jemand anderes später nur mal 2 Haare mikroskopieren will wäre die Anschaffung schon fragwürdig.
    • gaupe schrieb:

      An die Querschnitte wage ich mich später ^^.
      Hallo Michael,

      hört sich im ersten Moment zwar auch schwierig an, aber es gibt eine Einbettungsmethode in Paraffin, durch die sich mit einem Hand-Zylindermikrotom Querschnitte erstellen lassen. Damit das geht, mußt du dir nur ein dünnes Glasrohr zu einer Art Dachrinne zuarbeiten.
      So läßt sich ein Querschnitt auch besser handhaben, denn sonst ginge das wohl etwas schlecht.

      VG
      Bernd