Liebe Freunde,
bevor ich etwas in den Saal pupse, seien zwei Dinge vorausgeschickt:
1. Ich neide keinem sein DIC (ich neide überhaupt niemanden etwas)
2. Ich respektiere selbsterständlich, obwohl ich bekenndénder Banause bin, wenn jemand Kunst macht. Das umfasst auch, dass jemand nicht wegen der Wissenschaft mikroskopiert, sondern um schöne Fotos zu machen.
Nach überstandener Infektion schreibe ich dies für alle, die selber noch vom DIC-Virus infiziert sind, sich aber keines leisten können. Und auch für alle, denen es nicht zum Trinotubus langt und (auch und vor allem in anderen Foren) die Bildverbesserungsdiskussionen mitverfolgen, die an die Diskussionen zwischen Weinkennern bei Verkostungen von Spitzenweinen erinnern.
Und nun zum DIC in meinem Leben. Mein erstes Mikroskop war ein Kaufausmikroskop mit unsäglich schlechter Bildqualität. Ich war knapp über 10 und es war ein Geschenk meiner Oma. Dies war das beste Mikroskop meines Lebens, denn es war der Funke, der in mir ein Feuer entfachte, das noch heute brennt. Ich schaute mir stundenlang immer wieder dieselben Präparate an, Federn meines Wellensittichs und irgendwelche Kristalle auf einem Objektträger.
Später, nach einem Kosmos Humbold nach der Konfirmation, und zu Beginn meines Biologiestudiums, wuchsen die technischen Wünsche immer weiter. Ich lernte, was es alles an Verfahren gab, aber nicht im Studium, sondern vom Mikrokosmos und aus Büchern. Und es war mir sofort klar, dass das DIC der Fürst unter den Mikroskopen war. Das wollte ich und ich wußte, dass es zunächst unerreichbar war. Ein Prospekt eines Sanitätshauses (Internet oder so gab es noch lange nicht) wieß für eine Zeiss DIC nach Normanski etwa 13 Mille als Preis aus (plus MWSt). In meiner ganzen Karriere sah ich an der Uni nur Hellfeld-Mikros ud zweimal ein Phasenkonrast-Mikro. Das eine hatte ein Wurmforscher für seine Forschungen und das andere verwendete ich mit anderen zusammen, um Zellkulturen anzuschauen (in dem Labor kannte keiner den Wert eines PH-Mikros). Noch später, als ich in einem Universitätsklinikum in anderer Funktion viel herumkam, liefen mir keine DICs über den Weg. Nicht mal die Kunde von einem erreichte mich.
Mit dem Renteneintritt wandte ich mich dann wieder mehr der Mikroskopie zu, und es regte sich der nie eingeschlafene Wunsch nach einem DIC wieder.Ich suchte und fand Anschluss an die Mikroskopiker-Community, Vereine, Foren. Ich lernte, dass es mittlerweile recht günstige und gute Mikroskope gab. Vor allem aus dem deutschsprachigen Raum (nein, Österreich meine ich auch!) kann man Geräte (und Zubehöre) kaufen, die vor 50 Jahren zu Spitzeklasse gehörten, Planobjektive, Phasenkontraseinrichtungen. Auch Lomo aus Russland sie erwähnt, die in vielen kompatibel mit Zeiss Ost sind (ja warum denn wohl) und die ich sehr schätze.
Na ja, und wie vielen Einsteigern und Wiedereinsteigern auch (ich war allerdings nie ganz raus), kamen mir überall DIC-Bilder entgegen, immer mit dem Applaus der Community, zunächst dem lobenden Ah! und dann die genannten Diskussionen über die Feinheiten. Und ich dachte, man bekommt ja alles und jedes gebraucht und so günstig und da wird man ja auch wohl ein DIC bekommen zu einem Chhristlichen Preis. Dann lernte ich, dass die Schnäppcen unter den DICs schon ganz nett ins Geld gehen bzw. gegangen wären, hätte ich nicht...
...nein, wäre ich nicht zur Vernunft bekommen. Mit immer breiterer Beschäftigung mit der Mikroskopie wurde mir immer klarer, dass das DIC nur ein Spezialgerät war, das seine Vorteile in erster Linie (aber natürlich nicht nur) bei der Lebenduntersuchung von Wasserorganismen hat. Ich lernte außerdem, dass es so viele andere Verfahren in der Mikroskopie gab, die für meine Interessen wichtiger waren bzw. das DIC war für meine Interessen gar nicht mehr nötig. An dieser Stelle muss ich meiner Frau danken, die mich von der Suche eines DIC rechtzeitig abhielt. Die Stimme der Vernunft.
Um es kurz zu machen (ist ja schon lang), ich merkte, dass ich kein DIC brauchte. Ich merkte, dass ich, wenn ich so ein Gerät kaufen würde, der Gefangene des DIC wäre. Man blättert nich so viel Kohle hin, um es dann stehen zu lassen und Polarisationsmikroskopie zu machen oder irgend etwas anderes. Es gibt auch sehr wenige Fragestellungen, die nur mit einem DIC bearbeitet werden können (s.u.).
So ging das DIC-Fieber vorüber. Ich bin gesund und befreit. Was nun hatte mich geheilt? Die Antwort liegt in einem Wort: Fragestellung. Ich persönlich mikroskopiere, um meine Neugier zu befriedigen. Will man seriös erscheinen, sagt man, man habe eine Fragestellung. Nun, es gibt wenige Fragestellungen, die ein DIC erfordern.
Eine dieser Fragestellungen bzw. Gründe für die Verwendung eines DICs ist das Erstellen schöner Bilder. Dabei geht dem Endergebnis noch eine EDV-gestützte Bildverarbeitung voraus. Hier im Forum wurden allerdings auch schon Bilder gezeigt, die DIC-ähnlich waren, aber ohne DIC erzeugt wurden. Wer also so etwas machen will, mit oder ohne DIC, ok.
Ich denke aber, viele Mikroskopiker, vor allem Hobby-Mikroskopiker, aber auch ich, schätzen den direkten Blick ins Okular, das Eintauchen in die Mikrowelt, das kein Bild auf Papier oder Bildschirm ersetzen kann. Mit DIC ist vielleicht nocht besser, aber einer, der sich ein DIC besorgt hatte meinte danach, er hätte mehr erwartet. Weiß nicht, ist mir wurst. Wenn mir ein noch unbekannter reicher Onkel in Amerika wider Erwarten ne Million vererbt, kauf ich ein DIC und sag dann meine Meinung dazu. Bis dahin, staune ich schon ohne genug beim Mikroskopieren.
Eine wichtige Funktion der Mikrofotographen möchte ich hier aber doch noch würdigen. Es ist nicht alles "nur" Kunst. Viele Mikrofotos, DIC oder nicht-DIC, dokumentieren Organismen oder andere Naturerscheinungen, die in der Wissenschaft zwar oft beschrieben, aber nie fotogrfiert wurden, und das in eine Qualität, die zumindest früher von Wissenshaftlern aus Zeit- und Geldgründen kaum zu erbringen war. Wichtig für Wissenschaftler ist primär nicht das Bild, sondern die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.
Ich möchte daher allen, die sich kein DIC leisten können oder wollen, Mut machen. Ihr könnte alle auch mit einfacsten Mitteln Spaß haben und auch noch Großes leisten. Die Masser der biologischen und medizinischen Grundlagen wurde mit Hellfeldníkroskopen mit ein wenig Dunkelfeld und schiefer Beleuchtung gelegt. Und die Geologie verdankt viel der Pol-Mikroskopie.
Am Ende bitte ich nun um Verschläge, welche wissenschaftlichen Fragestellungen unbedingt ein DIC erfordern. Vielleicht, wenn ich an die nötigen Ressourcen rankomme, würde ich versuchen, diese Fragestellungen zu bearbeiten. Die Einschränkung mit den Ressourcen nur, weil man heute als normal Sterblicher halt nicht mehr alle Reagenzien bekommt.
So long und noch ein paar Stunden schöne Weihnachten
Michael