Zeiss Optovar Bertandlinsenfokussierung fest

    • Offizieller Beitrag

    Hallo zusammen,

    gezeigt wird diesmal die Wartung an einem Optovar für die Zeiss Standard Reihe. Es wird als Zwischentubus auf das Stativ montiert und bietet als Nachvergrößerung zum Okulartubus verschiedene Vergrößerungsfaktoren angefangen von 1x über 1,25x, 1,6x bis zu 2x. Dazu befindet sich auf dem drehbaren Karussell eine Bertrandlinse als Einstellhilfe für den Phasenkontrast. Diese lässt sich im Normalfall fokussieren durch Verdrehen am unteren Stellring am Karussell. In diesem Fall ist die Verstellung fest, weil der Schmierstoff nach langer Lagerzeit verharzt ist.

    Damit man weiß, worum es geht, das betreffende Optovar vor der Demontage. Nach dem Lösen der beiden Schrauben auf der Unterseite kann der obere Teil des Gehäuses abgenommen werden. Zur genauen Positionierung für den Wiederzusammenbau sind die beiden Hälften miteinander verstiftet.

    Man sieht schon links diesen Stift und das fregelegte Karussell mit den Optiken. Damit dieses ausgebaut werden kann, muß zuvor die Rastfeder ausgebaut werden. Dazu die Klemmschraube an der Seite etwas lösen, damit diese herausgehebelt werden kann. Dabei ist darauf zu achten, daß die Rastkugel nicht verloren geht.

    Nach Lösen der zentralen Schraube auf der Achse läßt sich das Karussell auch schon von dieser nach oben abziehen wie hier zu sehen.

    Weitergearbeitet wird dann auf der Unterseite. Zunächst ist das Unterteil des gerändelten Stellringes abzunehmen, welcher durch 4 kleine Schrauben gehalten wird. Als Nächstes wäre die große Schlitzmutter herauszudrehen. Damit dies aber gemacht werden kann, sind zunächst zwei Schritte durchzuführen. Man sieht nämlich im Bild links, daß noch der Hebel an der Bertrandlinse stört.

    Gelöst werden kann dieses Problem dadurch, indem man die rechte Begrenzungsschraube herausdreht. Der Hebel läßt sich danach soweit wegschwenken, daß er beim Herausdrehen der Schlitzmutter nicht mehr im Wege stehen kann.

    Weiterhin wichtig ist darauf zu achten, daß vor dem Lösen die kleine Madenschraube auf der Schlitzmutter gelöst wird. Sonst läßt sich diese nämlich nicht lösen oder es entstehen beim Lösen mit zu hohen Kräften unnötige Schäden.

    Man muß natürlich dann dazu das passende Werkzeug haben mit der nötigen Stabilität, um die Schlitzmutter lösen zu können. Weitere Ringe lassen sich dann problemlos vom Karussel abnehmen für die Reinigung im Waschbenzin.

    Nachdem nun das alte verharzte Fett entfernt und die Gleitflächen mit neuem Fett versehen sind, kann auch schon mit dem Wiederzusammenbau begonnen werden. Damit es auch wieder passt, muß in die Nute am Rändelring mit den Zahlen der kleine Stift am Karussell als Orientierung rasten. Der Ring mit den vier kleinen Gewindebohrungen ist beweglich und ist praktisch nach dem Aufdrehen der Schlitzmutter drehbar gelagert. Er sollte dann mit dem neuen Fett leicht beweglich sein. Danach kann auch schon wieder die Begrenzerschraube eingesetzt werden für den Stellhebel an der Bertrandlinse und der untere Rändelring wieder festgeschraubt. Desweiteren ist darauf zu achten, daß die Sicherungsschraube der Schlitzmutter an derselben Position landet wie vor dem Lösen. Das ist an der oben besagten Nute.

    Zum Abschluss kann man nochmal die obere Blende von der Bertrandlinse abnehmen, um zu schauen wie sie durch das Drehen am nun leichtgängigen Stellring gehoben und gesekt wird für die Fokussierung. In diesem Fall war der Scheckengang dort noch leichtgängig und es war keine weitere Demontage vonnöten.

  • Hallo Feinmechaniker Bernd,

    tolle Beschreibung Deiner Reparatur / Instandsetzung, wie immer!

    Leider habe ich keine Kenntnisse über diese Vergrößerungswechsler, daher meine Frage.

    Du schreibst, das das System fokussierbar ist. Wofür? Ist das erforderlich, damit man beim Durchschauen ohne Vergrößerung und anschl. Vergrößerung nicht nachfokussieren muss?

    Wenn dem so ist, könnte man dann theoretisch, mit einer bewussten Verstellung, einen anderen Arbeitsabstand zum Objekt erreichen?

    LG Frank

    LG aus Minden, Frank

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Frank,

    Die Fokussierung ist nur für die Bertrandlinse im Optovar wirksam.

    Sie dient nicht zur Beobachtung des Objektes, sondern der Brennebenen, in denen sich die Phasenringe des Objektivs, dir Phasenblene im Kondensor und auch die Lichtquelle hinter dem Lampenkollektor befindet. Die Lage kann eben variieren, deswegen ist die Fokussierung nötig, um zum Beispiel die Phasenblende mit dem Phasenring in Deckung bringen zu können.

    Ansonsten würde man dafür das Hilfsmikroskop nutzen, das man anstelle des Okulars in den Tubus steckt, welches ebenfalls für diese Anwendung fokussierbar sein muss.

    VG Bernd

  • Hallo Bernd,

    danke für die Info zum grundsätzlichen Einsatz.

    Aber nochmals nachgefragt. Ich defokussiere bewusst per Feintrieb (auf etwas größeren Arbeitsabstand) das Objekt. Kann ich dann mit der Bertrandlinse und den Vergrößerungen "etwas" nachfokussieren und das Objekt bei größerem AA scharf bekommen? Also eine "falsche" Nutzungsweise.

    Ich habe ein Orthoplan mit ICR Auflicht DIK. Da ist beim 50x/0,85 Objektiv der AA 0,28 beim 100er noch geringer. Das würde ich so ggf. erhöhen wollen, also außerhalb der Spezifikationen. Da würden schon 2-3 Zehntel mm helfen.

    Hoffnungsvolle Grüße aus Minden

    Frank

    Entschuldige dass ich hier Offtopic schreibe. Wenn das nicht passt, dann bitte löschen.

    LG aus Minden, Frank

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Frank,

    wieso löschen?

    Also dieses Optovar gehört und passt zum Zeiss Standard System mit Endlich-Optik. An das Orthoplan würde es alleine schon wegen der Schwalbe gar nicht dranpassen. Wenn du nun den Arbeitsabstand durch absichtliche Defokussierung am Tischtrieb erhöhst, dürfte wohl die Tubuslänge angepasst werden, um das Bild wieder scharf zu bekommen. Macht man normalerweise nicht, aber du kannst es ja mal ausprobieren.

    Die Vergrößerungen lassen sich wie schon geschrieben nicht fokussieren, sondern eben nur die Bertrandlinse auf dem Karussel. Sie sind zwischen einem Telansystem, welches die Tubuslänge durch den Gehäuseaufbau auslgleicht. Dadurch ist die Fokussierung auch gleich als wenn man ohne dem Optovar arbeiten würde.

    Um nun nochmal auf deine Frage zurückzukommen: Probiert habe ich es ehrlich gesagt noch nicht, den Tischtrieb derart zu verkurbeln, um das Objekt über die Bertrandlinse in PH-Stellung beobachten zu können. :99: Und wozu willst du überhaupt den Arbeitsabstand künstlich erhöhen? Desweiteren steht dann zur Frage, ob sich die Bildqualität dabei verbessert.

  • Sie sind zwischen einem Telansystem, welches die Tubuslänge durch den Gehäuseaufbau auslgleicht

    Hallo Bernd,

    danke, dass Du aus dem Nähkästchen plauderst. :97:

    Es ist schon klar das das Zeiss Optovar nicht an mein Orthoplan passt, aber da gibt es das auch.

    Das Telansystem kenne ich leider auch nicht. Es ist wohl ein Linsensystem, soweit habe ich es verstanden.

    Den Arbeitsabstand würde ich gerne vergrößern, damit ich besser z.B. Münzen, Schmetterlinge, etc. ablichten kann. Bei dem geringen AA am Unendlich-System meines Orthoplans schaffe ich nicht tiefe Prägungen >0,28 mm hoch aufgelöst (NA 0,85) zu stacken.
    Die Tubuslänge für die Kameraadaption kann ich beliebig verändern / vergrößern, dass ich zumindest per Kamera wieder scharf abbilde, ohne den eigentlichen Tubus anzupacken, wäre das dann auch richtig gedacht? Ich mikroskopiere eigentlich nur über Kameras am Bildschirm.

    Vielleicht sind meine Überlegungen aber auch Mist, der Wunsch ist halt der Vater des Gedanken.

    LG Frank

    LG aus Minden, Frank

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Frank und Daniel,

    danke, dass Du aus dem Nähkästchen plauderst. :97:

    Plaudern klingt aber ein wenig abwertend. Erinnert mich irgendwie an Leute, die ich mal kannte, aber mit denen ich zum Glück nichts mehr zu tun habe. :)

    Ja, die beiden Telanlinsen bewirken zum einen, daß sich die optische Tubuslänge durch Verlängrung der mechanischen Tubuslänge nicht verändert, zum anderen hat man dazwischen einen quasi parallelen Strahlengang, in dem sich diverse Komponenten unterbringen lassen wie z.B. Filter, Strahlenteiler, die sonst die Lage des Zwischenbildes beeinflussen würden. Kann man aber auch im Experiment einfach testen.

    Wenn man den Arbeitsabstand vergrößert. verlagert sich dabei aber das Zwischenbild in Richtung Objektiv, was bedeutet, daß man den Tubus verkürzen bzw. das Okular in den Tubus reinschieben müßte, was in der Regel nicht so einfach machbar ist wie das Okular anzuheben. Mit deinem Fototubus wird dagegen nur das erste Zwischenbild dann wieder auf den Kamerasensor abgebildet.

    Du willst dir also die Prägung von Münzen bzw. dessen Details anschauen können. Bei so starken Objektiven hat man leider entsprechend kurze Arbeitsabstände, daß es in dem Fall schon problematisch werden könnte. Daniel ist es wohl scheinbar doch gelungen, die Bertrandlinse zu zweckentfremden. Man sieht aber auch, daß die Randschärfe gehörig darunter leidet, so daß letztendlich nur der Bildkern einigermaßen brauchbar bleibt und neben dem Stacken noch das Stitchen erforderlich wird, um auf den Bildinhalt zu kommen.

  • Wenn man den Arbeitsabstand vergrößert. verlagert sich dabei aber das Zwischenbild in Richtung Objektiv, was bedeutet, daß man den Tubus verkürzen bzw. das Okular in den Tubus reinschieben müßte,

    Interessant, da fehlt mir so einiges an optischem Verständnis. Danke nochmals für Deine Hilfe.

    Mit der Darstellung der Schallplattenrillen war ich übrigens auch am Limit mit dem 50x. Beim 100x kam ich nicht bis in den Rillengrund. Das Thema Arbeitsabstand vergrößern wäre mal ein extra Beitrag wert, finde ich zumindest.

    Daniel, Dein Bild sagt mir jetzt nix. Hat das etwas mit dem Vergrößern des AA zu tun?

    Viele Grüße, Frank

    LG aus Minden, Frank

    • Offizieller Beitrag

    Das Thema Arbeitsabstand vergrößern wäre mal ein extra Beitrag wert, finde ich zumindest.

    Damit trittst du offene Türen ein. Mir fallen dazu spontan nur die LD-Objektive ein, die es aber eben nicht in allen Größen gibt.

    Nachtrag: In einer Leitz-Druckschrift habe ich was gefunden: Plan L 50x/0,60, freier Arbeitsabstand 6,8mm, Plan L 125x/0,80, freier Arbeitsabstand 2,0 mm.

  • Daniel, Dein Bild sagt mir jetzt nix. Hat das etwas mit dem Vergrößern des AA zu tun?

    Viele Grüße, Frank

    Hallo Frank,

    ging nur darum zu zeigen was füe ein schlechtes Bild zu erwarten ist beim zweckentfremden der Bertrandlinse... so quasi als abschreckendes Bsp.


    wahrscheinlich witst du um LD obejektive nicht rum kommen, aber auch die haben nachteile ( geringere n.A zum bsp)


    lg Daniel

  • Hallo Daniel,

    jetzt habe ich es kapiert mit Deinem Bild.
    LD Objektive sind klar, aber es ging ja (bei mir) um nachträgliche Vergrößerung des AA am bestehenden System, mit hoher NA.

    Hallo Bernd,

    danke für den Nachtrag.

    LG Frank

    LG aus Minden, Frank

  • Hallo Frank,


    die Auflichtobjektive von Leitz sind zwar auf "Unendlich" gerechnet, haben aber optische Restfehler, die durch das Okular korrigiert werden; eine Tubuslinse im System bringt das Zwischenbild hervor, das eben auch diese Restfehler enthält, die Objektive sind also nicht vollständig auskorrigiert, wie das z.B. bei den Zeiss-Jena-Objektiven der 250-er Reihe oder z.B. bei den Nikon CF-Objektiven der Fall ist. Um gute Bilder zu erhalten brauchst Du unbedingt ein passendes Kompensationsokular oder ein kompensierendes Projektiv.

    Wenn Du den Arbeitsabstand Deiner Objektive "künstlich" verlängerst, benutzt Du sie nicht so, wie sie gerechnet sind, handelst Dir damit weitere optische Fehler ein, die das Bild verschlechtern. Außerdem verringerst Du damit auch die Apertur, was ja auch nicht Deiner Zielstellung entspricht.

    Eine "schadensfreie" Verlängerung des Arbeitsabstandes der Objektive erscheint mir nicht möglich. Bleiben nur die LD-Versionen; besonders hochaperturige Objektive gibt es z.B. von Mitutoyo, aber die sind schw...teuer.

  • Hallo Jürgen,

    danke für Deine Expertise.

    Ganz "schadenfrei" wird es nicht gehen, das kann ich mir vorstellen.

    Aber einen Tod muss man sterben, entweder mehr oder weniger Verluste eingehen, dafür das Stacken durchführen können, oder nochmals viel Geld investieren. Wenn es denn irgendwie gehen könnte. Mit Software kann man sich ja schon etwas behelfen.

    LG Frank

    LG aus Minden, Frank

  • Hallo Bernd,

    auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, gute Idee, danke.
    Allerdings würden mir die paar Hundertstel noch nicht reichen. Vielleicht ein Wasserimmersions-Objektiv? Gäbe es da passende?

    Editiert, Bild gelöscht

    LG Frank

    LG aus Minden, Frank

    2 Mal editiert, zuletzt von Nochnmacro (23. Mai 2025 um 17:10)

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