schwieriges Ersatzteil Epival Interphako

  • Hallo Zusammen,

    schon vor einiger Zeit habe ich mich hier angemeldet und bereits viel Input zu den CZJ Interphakos bekommen. Nun bin ich soweit und möchte ein leider recht misshandeltes Epival wieder in Stand setzen + auf Durchlicht erweitern.
    Leider ist ausgerechnet der erste Thread dazu (wenn ich darf, werden sicher noch weitere folgen) die Suche nach einem sehr schwierigen Bauteil:

    Eine Zahn-Welle, welche die Ausgleichsgläser im Interferometer verkippt ist Opfer vergangener Gewalt gewesen :( und mitten durchgebrochen. Ich hänge ein Bild dazu an, vielleicht habe ich ja großes Glück und jemand weiß ein solches Teil aufzutreiben. Vorne hat sie ein Zahnrad (Durchmesser etwa 3.4mm) und rückseitig ein Aussengewinde, um fixiert zu werden. Eine Anfrage bei Askania Rathenow, als auch bw optik blieb leider erfolglos.

    viele Grüße!

  • Vielen Dank, Nomarski, das ist sicherlich eine gute Idee zur "sauberen" Improvisation - so würde sogar der Drehknopf erhalten bleiben. Ein wenig Hoffnung hatte/habe ich ja, dass diese Welle ja vlt. noch an anderen Stellen Verwendung findet und doch aufzutreiben ist.


    Vielleicht ein paar Punkte zu dem Mikroskop (und mir):

    Es ist ein Epival Interphako, fast komplett bis auf einige Filter und etwa die Okularstrichplatte.

    Die Durchlicht - Lampenfassung ist vorhanden, allerdings keine Kollektorlinse, kein Kondensor und keine deckglaskorrigierten Objektive. Der Tisch ist "Durchlicht". Leider ist kein einziges Bauteil wirklich völlig mangelfrei, aber dennoch sind die festverbauten optischen Oberflächen in den Trägern i.O. soweit ich das beurteilen kann (Die M19-planachromatischen unendlich-Auflicht Objektive sind ziemlich verdreckt). Ich habe mithilfe der Anleitungen von hier und dem .de Forum einiges wieder halbwegs gelöst bekommen:

    1. Die Bertrandlinse und das Prisma zum Fotoausgang sind wieder nutzbar

    2. Der "Ausgleicher-Schlitten" für die verschiedenen back-focal-planes der Objektive (dank Deiner Anleitung)

    3. Die Bremse des Grobtriebs ist wieder nutzbar (allerdings habe ich den Grobtrieb nicht komplett rausbekommen zum fetten)

    4. Der Kondensor-Trieb des Tisches ist wieder beweglich

    5. Die Feineinsteller des Binokulartubus sind auch wieder gangbar

    6. Die Blenden im Auflicht-Tubus funktionieren wieder beide

    Die einzige bisherige "Investition" war Spass und Arbeit und eine Halogenbirne, sprich noch nichts finanzielles und ich wäre durchaus bereit bis max. 700 Euro in das Gerät zu stecken, wenn es denn wohlinvestiert ist! Kondensor+Auflichtobjektive+neue Okulare und Beleuchtung sollten dafür drin sein. Wenn es teurer wird, würde ich eher zu einem anderen Gerät tendieren, ich stelle mir vor, dass die chinesischen mechanisch zwar deutlich unterlegen sind, aber dass man optisch durchaus hervorragende Sachen für 700-900 Euro bekommen kann. Das Anwendungsziel ist zunächst ein sauberes Durchlicht-Hellfeld, Kontrastoptionen willkommen :)

    Nun muss ich also ausloten, was machbar ist und mich durch die Probleme hangeln:

    1. Das Aushängeschild des Epival, nämlich das MachZehnder, ist völlig fest (daher sicherlich auch die abgebrochene Welle, und selbst danach muss es sicher >8 Jahre nochmal ungenutzt gestanden haben). Nun habe ich ja nichts zu verlieren und es deswegen geöffnet und komme nicht weiter:

    Beide Ritzel sind komplett festgebacken, und hier traue ich mich nicht mit Wärme oder kriechenden Ölen in die Nähe! Wie würde man hier am Besten weitermachen?

    Bild1:

    Bild2:

    vielen Dank für jeglichen Input und fürs soweit lesen :)


    Edit: copy-paste der Bilder geht nicht, daher nun lieber als Anhänge!

    • Offizieller Beitrag

    Dann wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei der Aufarbeitung deines Epival Statives. Wenn dann erstmal wieder alles leichtgängig ist, macht es auch sehr viel Spaß damit zu arbeiten.

    Nun hast du von chinesischen Alternativen gesprochen, zu denen du tendieren würdest. Gibt es dort etwas, das diese Möglichkeiten an Kontrastverfahren bietet?

    Wie man das Mach-Zehnder Interferometer demontiert, hatte ich übrigens auch schon hier mal gezeigt. Bei Interesse nenne ich dir den Link, falls du es über die Suchfunktion nicht finden solltest. Im Lexikon wäre es übrigens auch noch zu finden. :78:

  • Deinen Eintrag zum Interferometer kenne ich, sonst hätte ich mich gar nicht so weit getraut! Das Problem ist, dass ich genau an der Stelle der beiden Bilder oben hänge und nicht weiterkomme.

    Muss ich an die beiden silbernen Schrauben mit dem 'doppel-pin' ?

    Welches Lösemittel käme in Frage? Wie gesagt ich wollte keine kriechenden Öle oder Hitze in die Nähe der Gläser bringen.

    • Offizieller Beitrag

    Welche silbernen Schrauben mit dem Doppel-Pin meinst du genau? Etwa die Stirnlochmuttern?

    Ohne Kriechöl wird es aber nicht gehen, um die verharzten Fette in den Lagerstellen aufzuweichen. Dabei ist der gezielte Auftrag völlig ausreichend, ohne die Gläser dabei einzunebeln oder gar zu baden. Es sollte dann aber trotzdem nach dem Demontieren mit Benzin gereinigt werden, da das Kriechöl eben kein guter Schmierstoff ist.

  • Genau die Stirnlochmuttern. Dann käme man zunächst am das per Reisnadel mit 12 gezeichnete Ausgleichsglas.


    Dann würde ich einen Tropfen WD40 per Wattestäbchen jeweils außen aufbringen? Oder empfiehlst Du anderes? Ballistol hätte ich auch greifbar. Wie lange üblicherweise einwirken lassen?


    Danke für die Hilfe

    • Offizieller Beitrag

    Ich nehme immer einen kleinen Haarinsel. Bei mir hatten ein paar Minuten Einwirkzeit gereicht, so daß ich die Muttern lösen konnte.

    Die Glaskeile müssen aber nicht zwingend ausgebaut werden. Sie müssen sonst hinterher wieder mühsam justiert werden. Aber auch das ist eigentlich kein Beinbruch. Es gibt ja dafür auch eine Öffnung.

  • Danke, und ein kleines Update. In der Tat ging mit erfreulich kurzer Einwirkzeit alles zu lösen. Bis auf die Exzenter mit den Zahnrädern - diese weichen nun ein, da ja keine Optiken mehr in Gefahr sind.

    Die Glasteile würde ich jetzt nicht aus den Haltern nehmen, aber die Federn und Stangen müssen unbedingt ordentlich gereinigt werden und eben auch diese Exzenter sind so dermaßen fest - dafür musste der Rest unbedingt raus.

    Um Fehler beim Zusammenbau zu vermeiden, gibt es da irgendetwas besonders kritisches? Du sagtest man kann von außen justieren, bedeutet das die Lagerpunkte, die jeweils mit 3 Schräubchen befestigt sind? Oder hab ich das falsch verstanden?

    Und: Die 'Drehfeder' des einen um die horizontale kippenden Glases - hier hab ich keine Vorstellung, wie 'gespannt' oder eben nicht ich sie wieder einbauen würde?

    Oh und zuletzt, gäbe es eine Fett-Empfehlung?

    Vielen Dank erneut, ich bin super froh, das jetzt endlich anzugehen :)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo vonsth,


    Danke für den weiteren Bericht und es freut mich, daß ich weiterhelfen konnte.

    Damit sich alles hinterher auch gut einstellen läßt, muß natürlich alles leichtgängig sein. Dazu müssen eben hauptsächlich die verharzten Fettreste aus den Gleit- und Lagerflächen entfernt werden. Vor allem muß auch der Keilschieber auf der Stangenführung leichtgängig sein und darf nicht festhängen, wenn die Mikrometerschraube die Feder entspannt und der Schieber nicht nachrückt.

    Wenn alles sowei klappt, erscheint auch wieder der Regenbogen mit den Interfernzstreifen. Dazu dürfen eben die Länge der Lichtwege zwischen den Zweigen zwischen den Strahlenteilern eben nur sehr gering voneinander abweichen, wobei es eben um wenige µm geht, Deswegen ist auch das Glaskeil-Set aufeinander abgestimmt, was man an den Seriennummern bereits erkennt.

    Beim Shearing-Schieber lassen sich die beiden Glaskeile gegeneinander verdrehen. Das gleiche läßt sich über die Justageöffnung an deinem Bauteil mit der aufgeritzten 12 machen. Und auch die Befestigungsschrauben der beiden Teilerprismen müssen so angezogen werden, daß es zu keinen Verpannungen kommt...

    Ich könnte dir gerne mit dem geeigneten Fett aushelfen, falls du nichts haben solltest.

    Auf jeden Fall weiterhin viel Spaß und Erfolg bei diesem spannenden Projekt!


    Beste Grüße

    Bernd

  • So, mal wieder ein Schrittchen weiter. Danke für das "fette Angebot" (auch per PN). Ich habe von einer Werkstatt ein Fett bekommen - sehr geringer Dampfdruck, kein Kriechen und vom Schmieren her macht es einen super Eindruck.

    Alles wurde gereinigt (WD40 -> Benzin -> neu gefettet, wo bewegt) und wieder vereint. Und auch ohne Reparatur des gesuchten Ersatzteils kann man zum Testen ja einfach an der Stirnlochmutter den Exzenter von außen leicht bewegen.

    Nach kurzer Freude, denn die Doppelbildbeseitigung funktioniert nun wunderbar, auch die erste Ernüchterung - natürlich keinerlei Interferenzen :/ - weder mit Drehkeil, noch mit "Interphakoblende". Wie im anderen Thread gesagt - durchaus alle drei (!) verschiedene Seriennummern, aber sie lagen komplett beisammen und ich hatte den Eindruck es sei eben so genutzt worden.

    Bevor ich irgendetwas dummes mache (und das würde ich auf jeden Fall probieren) also die Frage:

    Unter welchen Bedingungen müsste ich Interferenzen sehen, wenn alles ok ist? (Beleuchtung, Objekt, Schieber, müssen die Objektive zentriert sein?, etc.)


    1.Beobachtung: Wenn man das ausgebaute Interferometer in der Hand hält, mit Drehkeil bestückt, dann gibt es eine Drehstellung an der man Interferenzen beim "Durchblicken" sieht. Allerdings hier unter Leuchtstoffröhren, wobei ich nicht glaube, dass dies bedeutend bessere Michelson-Interferenz geben sollte.

    2. Frage: Was bedeutet denn "gleiche Schmelze" ? geht es bei den Keilen um identische optische Dicken, sprich aus demselben Stück, geht es sogar um identische Materialzusammensetzung?

    3. Das oben mit 12 gezeichnete Glas ist ja auch ein Keil -> was wäre denn, wenn man diesen ausbaut und dann (ohne Schieber) das Bild betrachtet? Dann müssten ja die Wege wieder identisch sein und man könnte sehen, ob vielleicht an der Prismen-Justage etwas falsch ist? Oder ist das Quatsch?


    Bin gespannt, wie das ausgeht :)

    lg

    Martin

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Martin,


    schön, daß du die Mechanik wieder gängig bekommen hast. :28:

    Wenn nun die Nummern am Interferometer, Drehkeilschieber und Interphakoschieber verschieden sind, ist das schon mal ungünstig.

    Falls es dann trotzdem funktioniert, ist es eben entweder großer Zufall oder es wurden die Glaskeile aus einer Schmelze in den jeweiligen Fassungen verbaut. Zum einen müssen ja die Glasdicken in den Zweigen zueinander passen, aber auch die Brechungsindizes der Gläser.

    Weichen die Brechungsindizes zu sehr voneinander ab, kann man das über die Dicke wieder ausgleichen. Durch Verschieben der Keile war mir das gelungen. Leider funktioniert das bei den Original-Schiebern nicht, weil man bei denen die Glaskeile nur drehen kann.


    3. Das oben mit 12 gezeichnete Glas ist ja auch ein Keil -> was wäre denn, wenn man diesen ausbaut und dann (ohne Schieber) das Bild betrachtet? Dann müssten ja die Wege wieder identisch sein und man könnte sehen, ob vielleicht an der Prismen-Justage etwas falsch ist? Oder ist das Quatsch?

    Das kannst du zwar versuchen, dort ist das gleiche Glaskeilpaar drin wie im Drehkeil-Schieber bzw. Interphakoschieber. Es wären dann nur noch die beiden Strahlenteiler und die Gläser für die Feinjustage im Spiel. Aber wie soll dann der Interphako ohne Blenden und das Shearing ohne Bildaufspaltung funktionieren?


    Wenn sich schon die schmalen Streifen zeigen, ist das er erste Ansatz.


    Diese müssen sich aber dehnen lassen, so daß sich irgendwann nur eine Interferenzfarbe und kein Farbgemisch über den Bildbereich erstreckt.


    Dreht man dann an der Meßschraube, hat man nur noch den Farbwechsel. Um das zu bewirken, werden die Gläser über die Stellräder gekippt und geschwenkt wie du es bei der Demontage und Wiederzusammenbau festgestellt hast.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Hallo Bernd,

    danke für die Ausführung und insbesondere die Bilder. Das heißt die Interferenz muss sogar bereits bei Weißlichtbeleuchtung sofort sichtbar werden? Also Halogenbirne ohne örtliche oder spektrale Filterung?

    Mein vorgeschlagener Test ohne die beiden Keile ist natürlich nichts für den ernsten Betrieb - ich dachte man könnte aber überprüfen, ob die Prismen richtig justiert sind? Ich habe die Halterungsschrauben der Gläser natürlich nicht angefasst, aber man demontiert ja die beiden "Endplatten" des Interferometers und ein paar µm Differenz sind nun nicht viel. Oder ist der Gedanke unwahrscheinlich?

    Dass ich Interferenzen beim ausgebauten Interferometer sehe, bedeutet das irgendetwas?

    Viele Grüße!

  • Ich erlaube mir nochmal eine Beschreibung:

    Also man blickt bei Leuchtstoffröhren-Beleuchtung durch das Interferometer (Drehkeil ist drin). Nun gibt es einen Punkt in der Drehung des Keils, an dem Interferenzen sichtbar werden. Diese sind wie erwartet zunächst viele Hell-Dunkle-Linien, werden bei weiterer Drehung erst auseinandergezogen und dann wieder mehrere, bis sie verschwinden.

    Stellt man sie ein, dann kann man sie mit dem horizontal-kippbaren Glas drehen, und mit dem vertikalen Ausgleichskeil kann man sie ebenfalls auseinander- oder zusammenziehen. Mit dem Messschieber lassen sie sich "durchfahren", also dies ist erstmal alles, wie ich es erwarten würde?

    Bin verwirrt, wieso man im Mikroskop dann gar nix mehr an Interferenzen sieht, wenn er wieder eingebaut ist.

  • sorry, Missverständnis - das Interferometer ist dabei komplett ausgebaut, siehe Bild. Ich bekomme sogar Farben, wenn ich vorher die Bilder im Mikroskop übereinander-lege. Im Mikroskop nach wie vor allerdings keinerlei Streifen.

    ABER ein Gedanke: Muss die Auflichtquelle perfekt unendlichfokussiert sein? Sprich bei eingeschalteter Betrandlinse scharfe Wendeln? Dies bekomme ich noch nicht hin.

  • Mit Betrand habe ich erste Streifen gesehen! Aber komplett am unteren Bildrand und bei extrem starker Verschiebung des realen Bildes (fast maximale Verschiebung anhand des Drehkeils).

    Wenn man den Keil dann weiter dreht, verschwinden sie "nach unten" aus dem Blickfeld.

    Ich traue mich kaum das Bild einzustellen, aber ich habe ja schon gewarnt, dass es einige dreckige Oberflächen gibt ;( Unten sind die scharfen Streifen.


    Edit: Also es muss mit dem Strahlengang im Mikroskop zu tun haben - wenn das Interferometer eingebaut ist, bekommt man (mit Betrandlinse) die Streifen nur bei fast maximaler Verschiebung des realen Bildes. Baut man das Interferometer jedoch aus und dreht auf maximale Interferenz mit menschlichem Auge, dann liegen die Real-Bilder im Mikroskop fast exakt übereinander!

    • Offizieller Beitrag

    Mit Betrand habe ich erste Streifen gesehen! Aber komplett am unteren Bildrand und bei extrem starker Verschiebung des realen Bildes (fast maximale Verschiebung anhand des Drehkeils).

    Wenn man den Keil dann weiter dreht, verschwinden sie "nach unten" aus dem Blickfeld.

    Was passiert, wenn du danach im Wechsel dann an den beiden Stellknöpfen drehst. Bekommst du die Streifen in Richtung Bildmitte gezogen?

    Falls das gelingt, drehe weiter am Drehkeilschieber. Aber immer nur schrittweise, um sich heranzutasten.

  • Was passiert, wenn du danach im Wechsel dann an den beiden Stellknöpfen drehst. Bekommst du die Streifen in Richtung Bildmitte gezogen?

    Falls das gelingt, drehe weiter am Drehkeilschieber. Aber immer nur schrittweise, um sich heranzutasten.

    Leider nicht - also ich habe eher den Eindruck, als ob die Stellknöpfe iterativ die "Qualität" oder Visibilität der Streifen beeinflussen, aber nicht wirklich ihre örtliche Lage in der Betrandlinse. Sie bleiben leider in der unteren Bildhälfte. Habe verschiedene iterative Vorgehen versucht.

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