Auf der Suche nach der Suriella elegans

  • Hallo zusammen,


    durch den Bericht von Simon Harte Nuss: Surirella elegans bin ich angeregt worden, selber mal zu schauen, ob ich einer Suriella elegans die Poren entlocken kann.


    Ich habe in der Vergangenheit schon ein paar Versuche unternommen, harte Diatomeen-Nüsse zu knacken, allerdings nicht zu meiner vollen Zufriedenheit. Vielleicht reicht meine Ausrüstung nicht, oder ich habe bisher nicht alles herausgeholt was möglich ist.


    Als Mikroskop benutze ich hier das alte schwarze Leitz Ortholux mit einer LED-Beleuchtung. Dazu den Systemkondensor 600 mit ringförmiger Beleuchtung. Hierfür habe ich mir passende Scheiben aus schwarzem Karton zurechtgeschnitten und unter die Klapplinse des Kondensors eingelegt. Diese Zentralblenden müssen schön rund werden, in einer der Apertur des Objektives entsprechenden Größe. Mittels 3D-Drucker könnte man exakte Blenden drucken.


    Diese Blenden richte ich auf der Kondensorlinse aus, während ich ohne Okular in den Okularstutzen schaue. Es muss ein gleichmäßiger Lichtring zu sehen sein. Diese Prozedur ist aber wohl allen bekannt, ist ja nun nichts Neues!


    Um eine Suriella elegans zu finden habe ich mehrere Präparate durchgesehen und ein paar Diatomeen mit dem FL 63/0.85 170/0,17 abgelichtet.


    Ich möchte nebenbei auch ergründen, was ich mit dem 63er-Objektiv noch auflösen kann. Allerdings wird die Auflösung eines Objektes ja auch noch von dem Kontrast, der Dicke und Sauberkeit des Präparates, dem Einschlussmittel etc. beeinflusst.


    Doch zurück zur Suriella. Ich kenne mich mit Diatomeen nicht wirklich aus und weiß auch nicht in welchem Präparat diese Art zu finden ist, nur dass es eine Süßwasserdiatomee ist.


    Als erstes habe ich in einem Präparat aus Mofetten/Soos gesucht:


    Ist das vielleicht eine Suriella? Ist allerdings sehr klein.



    Noch so ein ähnliches Modell und in der Ausschnittvergrößerung könnte man Löcher erahnen.




    Nun eine Anomoeoneis? Auf jeden Fall mit Löchern von ca. 0,5 µm. Die sind immerhin gut zu sehen.



    Hier so eine lange, dünne Diatomee…




    ... mit Löchern im Bereich von 0,3µm.



    Jetzt was aus der Elbe


    Dieses Model finde ich ganz nett … so ganz nebenbei.



    Nun eine wohl eher schwierige Art



    Da ist mit dem 63er nichts zu machen.


  • Jetzt aus Crum Creek:


    Geht wieder eher in die gesuchte Richtung



    Schwache Streifen sind so gerade sichtbar.



    Und dann habe ich noch ein Präparat aus irgendeinem Watt. Könnte das eine Suriella elegans sein?

    Von der Größe her müsste das passen, wie ich gelesen haben: 150µm lang und 50µm breit. Innen ist nicht viel zu sehen, nur schwach die Querstreifen.


    Um den Kontrast zu steigern habe ich die Diatomee noch einmal mit einem Grünfilter aufgenommen und entfärbt.



    In der Vergrößerung sind die Streifen gut zu sehen und am äußeren Bereich ein paar Längsstreifen. Könnten das Porenreihen sein? Die sind aber ganz schön unverschämt klein.



    Ich denke, hier werde ich mit dem 100er noch mal nachlegen. Kann mir jemand sagen, ob das hier die „harte Nuss“ ist? Sieht allerdings etwas zierlich aus.


    Viele Grüße

    Detlef

  • Hallo Detlef,


    schöne Bilder und interessante Auflösungsversuche!

    Obwohl mich Diatomeen sehr faszinieren, bin ich leider bei der Identifizierung auch nicht so bewandert.

    Es handelt sich bei den oberen Bildern definitiv um Surirella sp, ich bin aber nicht sicher, ob es sich um die Spezies „elegans“ handelt.


    Die länglichen Diatomeen sind vermutlich Nitzschia sp.

    Diese sind teilweise auch harte Nüsse, wobei mir leider auch nur wenige Spezies zur Verfügung stehen.

    Unten zeigst du uns die klassische Surirella gemma.

    Diese kann man mit einer Apertur von 0.85 auflösen, zumindest kann es Bernd :99:

  • Hallo Bernd,


    ja die ganzen Diatomeenbilder kann man nur bedingt miteinander vergleichen.


    Ich habe gerade gesehen, dass ich hier ebenfalls schon mal bei der Suriella mitgemacht hatte.

    Habe ich nicht mehr auf dem Schirm gehabt und aus den Augen verloren :42:

    Langsam werde ich wohl alt!


    Gruß Detlef

  • ja die ganzen Diatomeenbilder kann man nur bedingt miteinander vergleichen.

    Das stimmt natürlich. Viele Exemplare sind auch untereinander leicht unterschiedlich.


    Ich habe mich vor kurzem nochmals an der elegans versucht - weiterhin ohne Erfolg.

    Den nächste Versuch mache ich mit einer LED, sobald ich sie habe.

    Mich würde grundsätzlich interessieren, ob sich die Diatomee überhaupt im sichtbaren Licht auflösen lässt :/


    Mein Exemplar stammt übrigens aus Loch Cuthair

  • Vom Loch Cuthair habe ich nichts.

    Da ich das 100er noch nicht eingesetzt habe, geht bei mir bestimmt noch was :thumbup:

    Die Frage ist ja, bis wieweit kann man mit einer bestimmten Apertur auflösen?


    Durch die ringförmige Beleuchtung lässt sich die Auflösung eines Objektives noch etwas verbessern.

    Und die Qualität des Objektives müsste auch noch eine Rolle spielen.


    Ich probiere da noch ein wenig...

  • Hallo zusammen,


    Detlef, Deine Bilder sind beeindruckend. Besonders die Surirella die Du mit dem Grünfilter aufgenommen und andschließend entferbt hast, gefällt mir sehr gut und zeigt reichlich Details. Sowas möchte ich auch mal testen, vor allem weil man damit auch einige Farbfehler eliminiert. :thumbup:


    Eine Frage bezüglich der ringförmigen Beleuchtung habe ich, die mir noch nicht so ganz klar ist: Was genau ist denn der Unterschied zwischen den Blenden die Du genutzt hast und z.B. den ringförmigen Blenden die beim Phasenkontrastverfahren zum Einsatz kommen? Soweit ich das verstanden habe , werden beide Blenden doch im Bereich der Kondensoreintrittspupille platziert und haben ebenfalls auch eine Größe die der Apertur des genutzten Objektivs enstpricht.


    Viele Grüße,

    Marcel

  • Hallo Marcel,


    es freut mich, dass Dir meine Bilder gefallen!

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das mit der RFB so gut erklären kann ... falls ich Mist schreibe, bitte ich einen der Fachleute um eine Gegendarstellung! :saint:


    Im Grunde ist die Art der Blende, ob Phasenkontrast oder RFB, das selbe. Es wird ein runder Lichtspalt erzeugt.

    Bei den Phasenkontrastobjektiven gibt's dann den passenden Ring im Objektiv.

    Es kann sein, dass eine Phasenkontrastblende für ein bestimmtes Objektiv sogar eine RFB ergibt.


    Bei der RFB versuche ich einen im Durchmesser möglichst großen Lichtspaltpalt zu nutzen. Es handelt sich hier ja um eine schräge Beleuchtung.

    Also versuche ich eine Zentralblende herzustellen, welche der Apertur des Objektives entspricht. Also passt Deine Vermutung !

    Ist die Blende größer als die Apertur des verwendeten Objektives, landet man im Dunkelfeld.

    Ist die Blende zu klein und dadurch der Spalt zu groß, kann durch leichtes Schließen der Aperturblende der Spalt angepasst werden, allerdings verliert man dann etwas an Apertur.

    Man kann gut einen Phasenkontrastkondensor mit freien Plätzen für die Blenden einsetzten, oder es so wie ich machen, diese einfach in den Kondensor mögichst nahe der Aperturblende plazieren.

    Durch Anheben des Kondensors kann/sollte eine etwas größere Zentralblende gewählt werden. Hier probiere ich einfach aus.


    Durch die Verwendung eines Grünfilters nutzt man eine kürzere Lichtwellenlänge und bekommt somit eine leicht verbesserte Auflösung.


    Ab jetzt bin ich gespannt auf Deine Ergebnisse! ;)


    Viele Grüße

    Detlef

  • Hallo Detlef,


    herzlichen Dank für Deine sehr gute Erklärung und auch für die Fallunterscheidung. Nun ist mir Einiges klarer geworden.


    Die Konstellation mit Blenden zum Erzeugen eines Dunkelfeldes habe ich sogar mit einigen Phasenkontrastblenden eine zeitlang intensiv genutzt indem das Licht nicht direkt ins Objektiv gelangt.


    Ist die Blende zu klein und dadurch der Spalt zu groß, kann durch leichtes Schließen der Aperturblende der Spalt angepasst werden, allerdings verliert man dann etwas an Apertur.

    Sehe ich das richtig, dass es dann für jedes Objektiv eine "ideale" RFB Blende gibt? Diese Blende sollte dann doch die perfekte Balance zwischen Helligkeit und Kontrast erzeugen bei Nutzung der maximalen Apertur des Objektivs? Ich denke genau das meintest Du dann mit ausprobieren bis es gut passt?


    Wenn dem so wäre, müsste man doch eigentlich einen Kondensor bauen/basteln bei dem eine stufenlos einstellbare zentrale Blende in der Mitte des Kondensors platziert wird. Sowohl die zentrale Blende also auch die Apertur kann dann je nach Bedarf an das jewelige Objektiv eingestellt werden. Ich bin mir gerade nicht ganz sicher ob der Leitz Heine Kondensor genau das ermöglicht. Wenn nicht, wäre das doch mal ein interessantes Bastelprojekt. (Ich grüße Dich Bernd. :99: )


    Das Thema finde ich sehr interessant!


    Ab jetzt bin ich gespannt auf Deine Ergebnisse!

    Ich muss erstmal ein paar Blenden anfertigen. Mir schwebt da schon was im Kopf wie ich das umsetzen könnte.

    Auch interessant finde ich, dass Bernd an dieser Stelle, so eine Blende sogar auf der Kondensorfrontlinse bewerkstelligt hat.

    Das sind alles viele Möglichkeiten die ich mal erproben muss.


    Danke nochmals!

    Viele Grüße,

    Marcel

  • Hallo,


    ich habe jetzt noch einen Versuch gemacht und die Zentralblende angepasst, also etwas größer gemacht und mir die Surirella gemma (Simon, Danke noch mal für den Namen) vorgenommen. Die sieht so schön sauber aus!


    Ich würde sagen, da bin ich wohl im Grenzdunkelfeld gelandet, oder?



    Auf jeden Fall konnte ich die Auflösung leicht steigern, wie der Ausschnitt zeigt.



    Die Poren, ich würde sagen unter 0,2 µm im Durchmesser, zeigen sich so langsam, bzw. es ist zu sehen, das die Linien keine Striche sind.


    Hier mit wieder etwas kleinerer Blende, aber größer als beim ersten Versuch. Insgesamt habe ich alles etwas sorgfälltiger eingestellt.



    Die Ausschnittvergrößerung zeigt hier deutlich die Porenansätze.



    Und jetzt noch mal mit dem Grünfilter und anschließender Entfärbung



    Und der Ausschnitt



    Eine große Verbesserung zum Bild vorher ist das jetzt nicht. Evtl. hätte ich etwas besser fokussieren können.


    Ich hatte schon alles auf Öl umgebaut, doch dann habe ich die Stelle auf dem OT verloren und nicht mehr gefunden. :rolleyes:

    Also hat das 100er heute noch Ruhetag!


    Viele Grüße

    Detlef

  • Hallo Marcel,


    Sehe ich das richtig, dass es dann für jedes Objektiv eine "ideale" RFB Blende gibt? Diese Blende sollte dann doch die perfekte Balance zwischen Helligkeit und Kontrast erzeugen bei Nutzung der maximalen Apertur des Objektivs? Ich denke genau das meintest Du dann mit ausprobieren bis es gut passt?

    ja so sehe ich das! Für jedes Objektiv die entsprechende Blende.


    Mit dem Heine-Kondensor kann der Lichtspalt stufenlos durch einen in der Höhe verstellbaren Spiegelkörper dem Objektiv angepasst werden.

    Beim Einsatz der Phasenkontrastobjektive ergeben sich damit interessante Ansichten.

    Ich sollte den Heine vielleicht doch mal mehr einsetzen.

  • Hallo Bernd,


    der Stack gefällt mir gut, sehr detailreich und scharf!

    Wie lang ist Deine Suriella?


    Ich habe heute ebenfals mit Öl gearbeitet und versucht der Surirella gemma die Poren zu entlocken.

    Als Kondensor habe ich den 600er mit der Apl.Oel 1.25 Linse verwendet und das Objektiv PL Apo Oel 100/1.32.

    Dazu natürlich wieder eine Zentralblende für die RFB.


    Die Blende war wohl nicht 100%ig zentriert, sonst wären die Farbsäume gleichmäßiger.



    Aber in der Vergrößerung sind die Poren zu sehen!


    Mit Grünfilter und entfärbt



    Und dann habe ich auf Phasenkontrast umgerüstet: Heine mit Immersionskappe und Pv Apo Oel 90/1.32


    Und der Ausschnitt


    Die Poren sind doch schon recht deutlich zu sehen.


    Auch noch einmal im grünen Licht und entsättigt



    Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Mag sein, dass es noch etwas besser geht, aber man kann die Poren ja schon als runde Kreise erkennen.

    Intessant wäre zu wissen, wie groß die Poren sind. Exakt ausmessen kann ich diese nicht, nur das sie wohl unter 0,2 µm sind.


    Gruß Detlef

  • Hallo Detlef,


    vielen Dank für die Blumen. Die Sache ist nur die: Mit der Suriella gemma ist es eben wieder anders als mit der Surirella elegans, die scheinbar in deinen Crum Creek-Präparaten auch öfters vertreten ist wie du weiter oben bereits gezeigt hast. Die Bildbreite beträgt bei mir etwas über 100µm.

    Man muß eben verschiedene Varianten probieren, manchmal bringen die Pol-Filter nicht so viel.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Ja, bei den Diatomeenpräparaten gibt es wohl viele Unterschiede.

    Bei meinem Präparat aus Crum Creek habe ich aber nur relativ kleine Suriellas gefunden bis 80 µm lang. Dein Modell gefällt mir etwas besser, ist bestimmt über 120 µm groß.


    Viele Grüße

    Detlef

  • Hallo zusammen,


    da wart ihr mal wieder fleißig, sehr schön!! Bei den Unterarten der selben Spezies gibt es enorme Unterschiede.

    Zum Beispiel lässt sich eine Amphipleura lindheimeri wesentlich leichter auflösen als eine Amphipleura pellucida.

    Ähnlich verhält es sich bei Surirella gemma und Surirella elegans.


    Ich bin mir bei Bernds Exemplar nicht sicher, ob es sogar eine Surirella tenera sein könnte.

    Ich glaube, dass ich diese Surirella sp. im selben Präparat auch in größerer Anzahl neben der elegans habe.

    Die ist aber auch mindestens ebenso schwer aufzulösen.

    Ich bin aber wie gesagt auch unsicher. Oft gibt es auch mehrere Varianten einer Spezies, die dann einen weiteren Namen erhält.


    Hier mal ein Beispiel:


    Es gibt die Art Actinocyclus.

    Eine Spezies wäre die Actinocyclus octonarius, von der es noch die Variante Actinocyclus octonarius var. tenellus gibt.


    Da war bestimmt Grübeln angesagt, ob man eine neue Spezies entdeckt hat oder „nur“ eine Variante einer bereits beschrieben Spezies.


    Grüße,

    Simon

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