Auflicht durch das Objektiv?

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu im Bereich Mikroskopie. Einzig als Kind hatte ich mal ein Mikroskop aber das war mehr ein Spielzeug.


    Ich möchte Oberflächen von Materialien betrachten, also Metalle und Stoffe.


    Ich habe nun versucht mich etwas schlau zu machen, bin aber an dem Punkt Auflicht vs Duchlicht hängen geblieben. Im Bereich um die 100-300€ gibt es ja anscheinen schon recht vernünftige Geräte. Zumindest was den Durchlichtbereich angeht.


    Mir geht es aber um Auflicht und wenn ich es richtig verstehe gibt es zwei Arten von Auflicht. Einmal Lampen die von der Seite auf das Objekt leuchten und einmal welche bei denen das Licht durch die Optik von oben über eine Art Prisma kommt. Die mit dem Seitenlicht sind ja kein Problem denn das lässt sich eigentlich bei jedem Mikroskop machen.

    Aus meiner Kindheit habe ich aber in Erinnerung das wenn man 10 oder 20 fach vergrößert die Linse sehr dicht am Objekt selber ist. Da ist doch kein Platz mehr für ein Licht von der Seite oder?


    Gibt es denn eines mit Licht durch das Objektiv im mittleren Preissegment? Ich weiß auch nicht nach welchem Begriff ich da suchen soll. Hat da jemand einen Tip für mich? Ich finde einfach keines.


    Es sollte auch eine Kamera haben bzw eine Möglichkeit mit einem Adapter einen Fotoapparat mit Canon EF Mount anzubauen.


    Vielen Dank im Voraus für einen Tipp.

  • Hallo Bruno,


    da wäre erstmal die Frage, wie stark du eigentlich vergößern willst bzw, mußt. Bei den Stereomikroskopen, die i.d.R. nur bis etwa 40 bis max. 100-Fach vergrößern, hätte man allein schon durch den größeren Arbeitsabstand genug Platz für die Anleuchtung.

    Bei stärker vergrößernder Optik verringert sich auch der Arbeitsabstand, so daß irgendwann das Licht zum Objekt durch das Objektiv zugeführt werden kann. Bewerkstelligt wird dies durch Strahlenteiler bzw. Illuminatoren oberhalb des Objektivs im Tubuskörper.

    Soll dann noch anstatt im direkten Hellfeld im Dunkelfeld gearbeitet werden, sind die Objektive mit Reflektoren ausgestattet, durch die das Licht um die Optik herum ringförmig auf das Objekt geleitet werden. Dies im schrägen Winkel, so daß es nur über Reflektionen in das Objektiv zum Okular gelangen kann. Dadurch sind dann aber auch Vergrößerungen von über 100-fach bis 1000-fach und mehr möglich. Solche Mikroskope ähneln auch stark den Durchlichtmikroskopen. Bei einigen läßt sich sogar beides kombinieren bzw. nach Bedarf umrüsten.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Hallo Normarski,


    danke für die Info. Ja, so ähnlich dachte ich es mir. Ich vermutete es ist vielleicht ein Prisma im Strahlengang.


    Inzwischen habe ich herausgefunden das ich wohl nach „Metallurgical Microscope“ suchen muss. Die haben dann meist Vergrößerungen von 800-1000fach (grob).


    Ich will Strukturen von etwa 0,001mm sichtbar machen und das auch fotografieren. Nicht wirklich klar ist mir wie groß dann die Vergrößerung eigentlich sein muss wenn das auch auf einem Foto gut erkennbar sein soll. Ich vermute aber mal das es schon so um die 1000 sein müsste.


    Aber alles „günstige“ was ich finde liegt zwischen 1000-2000€ (nach oben keine Grenze, ich finde auch welche mit 5000-50000€).


    Daher die Frage ob es solche auch im „mittleren“ Segment von sagen wir mal 300-800€ gibt. Kennt da jemand zufällig ein Modell das dem entspricht?


    Viele Grüße

    Udo

  • Ich vermutete es ist vielleicht ein Prisma im Strahlengang.

    Hallo Udo,


    es gibt sowohl sogenannte Prismen-Illuminatoren als auch Planglas-Illuminatoren, darunter noch spezielle Konstruktionen.

    Bei beiden Konstruktionen gibt es je nach Anwendungsgebiet Vorteile, aber auch Nachteile. Daher sind bei den besseren Systemen diese austausch- bzw. wechselbar.

    Wenn du nicht gerade auf ein Neugerät bestehst, dürfte auch im "mittleren" Segment duchaus etwas Brauchbares zu bekommen sein.

    Da du aber auch fotografieren möchtest, wäre für Trinotubus und Adaption zur Kamera etwas mehr einzukalkulieren.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Hallo Udo,


    wie ich sehe möchtest Du fotografieren 😊


    In diesem Falle solltest Du von der Vergrößerung auf den Abbildungsmaßstab umsteigen.

    Beim Fotografieren entscheidend ist die NA des Mikroskop-Objektivs,

    weil sie vor allem die Auflösung bestimmt.


    Die meisten trockenen Auflichtobjektive enden bei ca. 100:1

    Das bedeutet, wenn Du es schaffst die Metalle in 100:1 aufzunehmen,

    dann bist Du schon bestens bedient.


    Verwechsle bitte nicht das Mikroskopieren (also Betrachten mit dem Auge)

    mit dem Fotografieren (also Aufnehmen mit dem Sensor der Kamera).


    Wenn Du ein Foto in 100:1 ohne Okular aufnimmst, kannst Du Dir dann das Bild auf dem Bildschirm 10 Mal ranzoomen

    und bekommst Du das gleiche, wie mit dem Mikroskop bei 1000x (100 Objektiv * 10 Okular), weil die Auflösung identisch ist.


    Danke und Gruß,

    ADi

  • Hallo Bruno -


    du musst auch in Betracht ziehen, dass die Beleuchtung durch das Objektiv ein fast schattenfreies, oft reizloses Bild produziert, so ähnlich wie der Effekt eines frontalen Blitzlichtes bei Porträtfotografien. Erfreuliche Bilder bei stärkeren Vergrößerungen bekommst du nur, wenn deine Oberflächen schöne Farbkontraste aufweisen. Entweder eigene oder physikalisch durch Polarisation und Interferenzen hervorgerufene. Dazu sind dann oft weitere finanzielle Aufwendungen notwendig ...

    Erste Versuche solltest Du deshalb mit einer seitlich einstrahlenden Beleuchtung anstellen - Taschenlampe reicht da völlig und gibt z.B. bei faserigen Oberflächen von einfarbigen Stoffen kräftige Kontraste, die bei senkrechter Beleuchtung fehlen und das Bild langweilig erscheinen lassen.


    Gruß


    Rolf

  • Hallo,


    ah, das mit den Begriffen war mir nicht klar. Ich meine das mit dem Begriff Mikroskopieren nur das direkte betrachten gemeint ist. Wieder was gelernt. Also möchte ich wohl beides, betrachten aber dann auch fotografieren.


    Das mit dem Auflicht und dem Vergleich mit dem „platten“ Blitz verstehe ich. Klar das flaches Licht (durch das Objektiv) auch zu flachen Fotos führt. Aber die Möglichkeit dieser speziellen Belichtung verhindert ja, bei kleineren Vergrößerungen, nicht die Nutzung von Seitenlichtern soweit ich das verstehe..


    Frage 1, Bitte korrigiert mich, aber seitliches Auflicht kann doch im Prinzip jedes Mikroskop. Selbst wenn bei einem Mikroskop das nicht explizit in der Beschreibung, oder?


    Frage 2, Eine weitere Frage ist ob jemand eine Quelle kennt wo es im mittleren Preissegment welche mit Licht durch das Objektiv gibt?


    Eine schöne Woche noch,

    Udo

  • Zu deiner ersten Frage:

    Was du vielleicht als seitliches Auflicht verstehst, gibt es als schiefe Beleuchtung durch das Objektiv. Um das realisieren zu können, muß man im Pupillenbereich des Beleuchtungsstrahlenganges abblenden können wie beim Durchlicht auch. Nur bieten einfach konstruierte Auflichteinheiten an Mikroskopen diese Möglichkeit nicht. Das können wiederum nur die Auflichtmikroskope aus höheren Preissegmenten, um deine zweite Frage anzuschneiden.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Hallo Udo

    Seit Jahren beschäftige ich mich mit der Einbettung, Schlifferstellung und Auswertung von materialographischen Proben.
    Im speziellen von Leiterplatten und den dazugehörigen Materialien, Lötstellen und Bauteilen.
    Wenn du mal bis 1µm ansehen willst musst du wohl auch bis dahin runter anschleiffen und polieren.
    Solltest du Gefügeuntersuchungen anstellen wollen und die Metallstrukturen z.B. erkennen wollen musst du auch die Proben meist anätzen.
    Dies erfolgt oft mit Säuren wie Salpetersäure, Flußsäure !!! oder auch Pikrinsäure z.B. bei Schweissnähten.
    Ein nicht ganz einfaches Thema dem du dich da widmen willst.
    Dennoch, fang an. Es zahlt sich aus und kann einen jahrelang beschäftigen.


    fg, Franz

    --------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Welt wäre so schön wenn Frauen so einfach gestrickt wie die Maxwellschen Gleichungen wären --
    Mann könnte dann Störfelder berechnen und Wellen, Phasen und Ströme ....
    und die Harmonischen ganz leicht checken..

    http://interphako.at

  • Die Weihnachtszeit hat ja den Vorteil das man viel Zeit am Stück hat um sich mit etwas neuem zu beschäftigen :). Inzwischen habe ich mir ein einfaches Mikroskop zugelegt um Erfahrung zu sammeln. Die angehängten Bilder sind meine Ergebnisse.



    @Normarski

    Vielen Dank, das pdf ist informativer als das Buch das ich gerade lese. Dort ist alles mehr Zahlentheorie und weniger anschaulich (kein Vorwurf an den Autor den ich habe es ja gekauft).

    Dein PDF ist wirklich toll.



    Franz Ganster

    Bis zur Präparation von komplizierten Sachen bin ich noch nicht vorgedrungen. Aber da habe ich glücklicherweise eine Quelle in der Familie (Lehrt als Materialprüfer). Er ist fit in Schliffen und Ätzungen (aktuell aber mehr auf zerstörungsfrei unterwegs). Die Mikroskope die er im Labor verwendet sind aber finanziell alle außerhalb meiner Reichweite :).

  • Also ich habe mir ein Swift 350T gekauft. Das ist so ein China Modell und für 250€ zu haben. Ich denke das ist OK als Gerät für einen Anfänger. Dazu habe ich eine 5MP Kamera gekauft die im dritten Tubus sitzt. Nach lesen vieler Beiträge ist ein 5MP wohl auch für spätere Mikroskope ausreichend.


    Die Bilder zeigen verschieden Schichten einer Atemschutzmaske.


    Das gräuliche Bild ist mir dem 40x Objektiv gemacht und da es sich um einen Stoff handelt und Seitenlicht bei unter 1mm Objektivabstand nicht mehr durch kommt ist es mit Durchlicht gemacht. Daher wohl auch das schwammige Bild (ich arbeite noch dran :). Aber man sieht trotzdem das die Fasern etwa 3ym haben und innen hohl sind. Es zeigt die eigentliche Filterschicht einer Maske.


    Das Rechte zeigt die Schutzschicht die aus etwa 30ym Fasern besteht die in Rastern verschmolzen wird um der Schicht mehr Stabilität zu geben. Es ist mit dem 4x und Auflicht gemacht. Dazu habe ich eine Taschenlampe seitwärts montiert.

    Das hier anhängende Bild ist auch mit 4x und aber Durchlicht bei hohem Kontrast gemacht. Es zeigt ebenfalls eine Schutzschicht mit ca 25ym Fasern. Auch hier sieht man das die Fasern im Raster verschweißt sind.


    Die Bilder der Schutzschicht sind aus etwa 15 Bildern gestackt und mit der Helicon (Demo) Software verrechnet.


    Gruß Udo

  • Das gräuliche Bild ist mir dem 40x Objektiv gemacht und da es sich um einen Stoff handelt und Seitenlicht bei unter 1mm Objektivabstand nicht mehr durch kommt ist es mit Durchlicht gemacht. Daher wohl auch das schwammige Bild (ich arbeite noch dran :).

    Glückwunsch zum neuen Mikrosop!

    Da es sich aber vornehmlich um ein Durchlichtmikroskop handelt, dürfte das 40x-Objektiv auch für mit Deckglas bedeckte Präparate gerechnet sein. Ohne geht es zwar irgendwie auch, könnte dann aber doch schon wie du sagst etwas schwammig werden. Vielleicht läßt sich eine Einbetung noch einrichten.


    BG

    Bernd

  • @Nomarski Das mit dem Deckglas geht irgendwie nicht so richtig. Stoffe sind ja so von 0,2 bis mehrere Millimeter dick und da gelingt mir das nicht so richtig. Bin da noch am herumprobieren.


    Hallo,

    Ich habe ja das SWIFT 350T Mikroskop mit der SWIFT 5MP Kamera. Soweit ganz OK.

    Jetzt habe ich gedacht ich versuche es mal mit meiner Canon DSLR. Eine DSLR hat sicher eine größeren Blendenumfang als die Kamera von SWIFT. Nun muss man das gute Stück aber an das Mikroskop bringen. Auf der Seite von SWIFT bieten sie einen passenden Adapter an für schlappe 550$. Unglaublich für ein Stück Rohr.
    Ich habe dann mal nach Alternativen gesucht und bin beim "Gosky T T2 Objektiv-Adapter für Canon EOS" bei Amazon für 20€ fündig geworden. Der passt auch soweit an den EF Anschluss. Hier mal Bilder zum Vergleich mit dem 40ger Objektiv von einem rosa Stoff.
    Es ist kein 100% Vergleich da ich bei der DSLR mehr Auflicht verwenden konnte und bei der SWIFT etwas mehr Licht von unten benötigte.


    DSLR


    SWIFT 5MP


    Man erkennt deutlich das die DSLR das plastischere Bild hat. Das liegt sicher am erwähnten Blendenumfang und das der Sensor 14Bit nativ auflöst, die SWIFT aber nur 8 Bit (soweit ich herausgefunden habe). Dafür finde ich deren Ergebniss aber garnicht so schlecht.

    Der Nachteil ist das die Software die bei SWIFT dabei war die DSLR nicht erkennt. Daher kann man nicht so schön einfach Stecken abmessen auf dem Bild wie es mit der Originalkamera geht.

    Beide stammen aus einer Reihe von etwa 15 Bildern und sind gestackt.


    Gruß Udo

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