Anfertigung von Holzschnitt-Präparaten

  • Hallo zusammen,


    da ich bisher ein paar Mal gefragt worden bin, wie ich meine Holzschnitt-Präparate fertige, stelle ich das Prozedere hier vor.


    Von dem zu untersuchenden Material säge ich als erstes eine ca. 1 cm dicke Scheibe ab. Mit einem Stechbeitel und Hammer fertige ich mir dann daraus Würfel mit einer Kantenlänge von ca. 1 cm an. Ich nehme immer die Stellen am äußeren Rand des Holzstücks, aber nicht direkt unter der Rinde. D. h. wenn ich das erste Stück für einen Tangentialschnitt nehme, entferne ich die ersten 2 mm von außen.



    Da dieses eine eher rustikale Arbeit ist, mache ich das nicht auf dem Küchentisch, sondern im Werkraum im Keller. Dort erstelle ich sowieso die kompletten Schnitte.


    Die so gewonnenen Holzwürfel, einen für jede Schnittrichtung und vorsichtshalber 1-2 als Reserve, gebe ich zum Einweichen in ein kleines, beschriftetes Glas mit Wasser, welches ich verschlossen für mehrere Tage an einen warmen Platz stelle. Bei mir auf den Holzvergaser im Heizungsraum.



    In dem Bild ist ein trocknender OT zu sehen. In der Wärme trocknet das Euparal gut. Als Staubschutz decke ich den Bereich mit einer durchsichtigen Kappe aus einer kleinen Tortenverpackung (Tiefkühlware) ab.


    Je nachdem wie das Holz beschaffen ist, variiert die Einweichzeit. Ein Zusatz von 25%igem Essig, gibt’s im Supermarkt, hilft beim Erweichen des Holzes. Ich habe auch gelesen, dass man Glyzerin zugeben kann. Habe das auch schon gemacht, bin mir aber nicht sicher ob es wirklich etwas gebracht hat.


    Eine andere Möglichkeit ist, die Holzstücke zu kochen um das Erweichen zu beschleunigen. Ich habe das bisher jedoch nicht ausprobiert.


    Verwendet man Essigsäure, sollte man nach dem Schneiden alle metallenen Utensilien spülen und am besten auch abtrocknen. Rasierklingen werden z. B. in sehr kurzer Zeit von der Säure angegriffen.


    Wenn ich der Meinung bin, dass die Holzwürfel genug eingeweicht sind, suche ich mir die entsprechenden Seiten (also Quer, Radial, Tangential) und arbeite mit einem Messer eine im Durchmesser ca. 3 - 4mm große, emporstehende Fläche heraus.



    Dieses macht übrigens viel Dreck, der Boden ist danach von Spänen übersät! Auch sollte man dabei aufpassen sich nicht in den Daumen zu schneiden. Die Klinge ist scharf und der Holzwürfel klein und fest: Ein Treffer im Finger kann leicht tief gehen! Einen zum Glück nur leichten Treffer habe ich schon gelandet!


    Beim Herausarbeiten der zu schneidenden Fläche, sowie beim späteren Ausrichten der Fläche im Mikrotom, muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Schnittrichtung exakt eingehalten wird. Stimmt diese nicht, erhält man „verwaschene“ Ansichten.


    Zu groß sollte die herausgearbeitete Fläche nicht werden, sonst werden die Schnitte zu dick. Eine kleine Fläche ist einfacher zu schneiden.


    Bernd Miggel hat in einem seiner Beiträge hierzu auch etwas geschrieben: hier!


    Ich schneide an einem kleinen Tischmikrotom, dem „Tempelchen“ mit Rasierklingen im SHK-Klingenhalter. Die Klinge breche ich vorher in Längsrichtung in 2 Teile, entweder im Papier oder auch schon mal mit einer Zange. Wichtig ist, eine scharfe Klinge zu verwenden! Ich wechsel die Klinge nicht bei jedem Schnitt, sondern bei Bedarf. Sieht der Schnitt im Mikroskop „zerfleddert“ aus, ist es höchste Zeit die Klinge zu wechseln oder eine andere Stelle der Klinge zum Schneiden zu nutzen.


    Zum Schneiden wird das nasse Holz verwendet, es darf nicht austrocknen. Beim Schneidevorgang gebe ich als Gleitmittel Ethanol auf das Holz und die Klinge. Evtl. sollte man 70%iges Ethanol verwenden, ich nehme aber das 99%ige (das steht sowieso auf meiner Arbeitsfläche, um bei überfärbten Schnitten etwas die Farbe herauszuholen).


    Die Klinge führe ich schräg-ziehend durch das Holz.



    Die Schnitte nehme ich mit einem wasserfeuchten Pinsel ab und lege sie in einer Tüpfelplatte in Wasser. Ich stelle immer mehrere Schnitte von einer Richtung her. Die unterschiedlichen Schnittrichtungen kommen nebeneinander in die Vertiefungen.



    Sind die Schnitte gemacht, beurteile ich diese unter dem Mikroskop. Sind diese in meinen Augen gut, gebe ich je Schnittrichtung die besten 3 – 4 in das links stehende Schnappdeckelglas und färbe diese zusammen in Etzold blau. Da ich die Schnitte meist am nächsten Tag weiterbearbeite, verwende ich eine eher schwächere Konzentration an Etzold. Hier muss jeder eigene Versuche machen. Und das Färbeergebnis wird auch durch das verwendete Holz bedingt. Ich verwende meist nur einen Tropfen des Färbemittels. Die Radialschnitte sollten eigentlich länger gefärbt werden als die anderen Schnittrichtungen. Vielleicht mache ich mir das Färben in einem „Topf“ etwas zu einfach, meist klappt es aber. Ich habe allerdings die Radialschnitte auch schon mal nachgefärbt oder die anderen Schnitte mit Ethanol etwas entfärben müssen. Genauso habe ich alle Schnitte auch schon einzeln gefärbt.


    Nach der Färbezeit sortiere ich die Schnitte (aus dem Ein-Topf-Färbeverfahren) in die einzelnen Schnittrichtungen und entwässere sie in Isopropanol. Das IPA wechsele ich dabei noch 2-mal. Vor dem Eindecken beurteile ich die Schnitte im Mikroskop und passe dabei auf, dass sie nicht austrockenen.


    Als letztes decke ich die Schnitte mit Euparal ein, alle auf einem OT und mehrere einer Schnittrichtung unter einem DG. So hat man für die Untersuchung genug aussagekräftige Stellen zur Verfügung.



    Da ich meine Kamera am Mikroskop sehr leicht im Adapter drehen kann, verzichte ich auf ein Ausrichten der Schnitte auf dem OT in Holzgrundgeweberichtung.


    Zum Eindecken gebe ich erst einen Tropfen Euparal auf die Stelle an der die Schnitte liegen sollen. Mit einer Nadel (1mm dicker, angespitzter VA-Stab) positioniere ich die Schnitte nach deren Auflegen vorsichtig. Nun bedecke ich sie mit dem Eindeckmittel. Ist nicht genug Euparal unter dem Deckglas, füge ich etwas davon mit der Nadel direkt an den DG-Rand. Durch die Kapillarkräfte wird es darunter gezogen. Direkt nach dem Auflegen des DG beschwere ich dieses das erste Mal ca. 5 min mit einer Schraube. Dann erfolgt eine mikroskopische Kontrolle. Sind alle Schnitte eingedeckt, lege ich den OT zum Trocken auf den Holzvergaser wie bereits oben gezeigt.

    Die eingedeckten Schnitte müssen an und ab kontrolliert werden ob genug Euparal vorhanden ist und sich keine Stellen ohne Eindeckmittel gebildet haben. Wenn etwas fehlt füge ich es wieder mit der Nadel zu.


    Ich hoffe, dass ich meine Vorgehensweise verständlich vorstellen konnte. Bei Fragen, her damit!


    Einen schönen 3. Rest-Advents-Sonntagabend

    Detlef

  • Hallo zusammen,


    ich habe meinen alten Bericht noch einmal hervorgesucht, da ich diesem etwas hinzufügen möchte:


    Darin hatte ich geschrieben, dass ich die Holzproben vor dem Schneiden noch nicht gekocht hatte, um sie weicher werden zu lassen.

    Mittlerweile habe ich das gemacht. Zum Beispiel hat man bei Eichenholz sonst überhaupt keine Chance vernünftige Schnitte zu bekommen.

    Ich hatte die vorbereiteten kleinen Holzwürfel ca. 7h in verdünnter Essigsäure gekocht (Magnetrührer mit Heizplatte, Becherglas mit Uhrglas abgedeckt).

    Nur so hat das geklappt.


    Die zweite Sache ist, die Auswahl der Klinge bei den Handschnitten.

    Mit einer normalen Rasierklinge klappt das mit dem SHK-Klingenhalter nur bei weichen Hölzern gut. Ich habe durch irgendwelche Zufälle 3 alte Klingenarten in meinem Fundus: Normale Rasierklingen mit einer Stärke von ca. 0,1mm und 2 Industrieklingensorten mit einer Dicke von 0,20 bzw. 0,24mm.

    Ist die Klinge zu dünn, so wird sie beim Schnitt durch das Holz nach unten gezogen und der Schnitt wird zu dick. Am Ende der Schnittfläche federt die Klinge ab und zu zurück und wirft den Schnitt leicht nach oben. Wenn man dieses merkt, passen Holzhärte und Klinge nicht zusammen.

    Am Besten gelingen mir die Holzschnitte mit der 0,24mm dicken Klinge. Diese ist sehr stabil und wird überhaupt nicht nach unten gezogen

    Diese alte Klinge trägt die Bezeichnung "Globusmen Industrieklingen Super Sharp", Made in Solingen. Sie sind bestimmt über 40 Jahre alt. Zum Glück habe noch ein paar.

    Im Grunde sehen sie so aus wie diese hier: Martor-Industrieklinge


    Keine Ahnung, ob die Klingen auch geeignet sind. Wenn meine aufgebraucht sind, werde ich mich um Ersatz kümmern, es sei denn, ich schneide auf einer anderen Art ;).


    Mir ist das mit den Klingen jetzt mal wieder aufgefallen, da auf einmal die Schnitte zu dick wurden und ich schon unruhig wurde, bis ich gemerkt hatte was für eine Klinge ich eingebaut hatte.


    Vielleicht trägt dieser Hinweis dazu bei, dass der eine oder andere vor der Verzweifelung bewahrt wird, wenn es mit dem Holzschneiden einfach nicht klappen will!


    Hat man nur die normalen Rasierklingen zur Verfügung, würde ich das so machen, wie Bernd es in seinem Bericht über die Leyland-Zypresse geshrieben hatte: Mikroskopische Holzbestimmung MHB-03 Leyland-Zypresse


    Viele Grüße

    Detlef

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