Orthoplan in der Reparatur

  • Hallo zuammen,


    folgender Thread befasst sich mit einem alten Leitz Orthoplan, das ein wenig überarbeitet werden muß.



    Es ist einiges dran schwergängig, verbogen und gar beschädigt. Damit es wieder in den Einsatz gelangen kann, werden einige Wartungen gezeigt und beschrieben.

    Betroffen sind das Stativ, der Trino-Tubus und das Lampenhaus sowie der Auflicht-Kondensor.


    Weiteres folgt.

  • Das ist aber fein, daß ihr schon da seid! Die ersten Bilder über die Reparatur am Trino-Tubus kann ich euch schon sogar zeigen.

    Ihr müsst wissen: Dieses ist mein erstes Orthoplan, deswegen mußte ich noch etwas rätseln bei der Demontage.


    Fangen wir mal an:


    Um nun die Verstellung für den Augenabstand wieder gängig zu bekommen, war es nötig, die ganze vordere Einheit für den Bino-Einblick aus dem Gehäuse zu nehmen. Sie wird eigentlich auch nur durch 4 Schrauben auf der Unterseite gehalten, aber zuvor muß die Hülse mit der Ritzelwelle herausgeschraubt werden. Mit einem speziellen Spannwerkzeug hatte ich es zwar zunächst geschafft, daß ich erst extra anfertigen mußte, aber die Achse der Ritzelwelle war leicht verbogen, weil sie am Knopf einen leichten Schlag abbekommen hatte.


    Hier ist diese Hülse mit der noch eingesetzten Ritzelwelle im Detail zu sehen.


    Um nun die Ritzelwelle überhaupt aus der Lagerhülse ziehen zu können, mußte ich die erstmal richten. Ging dann aber doch ohne weitere Probleme. Ind dem Zuge konnte auch alles für den Wiederzusammenbau neu gefettet werden. Nicht nur die Welle dreht sich jetzt leicht, sondern auch die Schwalbenschwanzführung ist leichtgängig sowie auch die Okularstutzenträger, die über die beiden Gabeln bewegt werden, um dadurch den Augenabstand einstellen zu können.


    Was noch so fürchterlich schwergängig war, das war die Prismenumschaltung unter dem Fotoausgang.

    In der Führung war das Fett eben ziemlich verharzt, deswegen mußte auch diese augebaut werden, um überall beizukommen.


    Allzuschwer ist das eigentlich nicht. Dazu muß zunächst die Zugstange herausgenommen werden. Nachdem man den oberen Stutzen vom Fotoasugang abgebaut hat, werden auch die 4 Schrauben zugänglich, um die ganze Einheit bequem herausnehmen zu können, um sie dann bearbeiten zu können.


    Der Trino-Tubus ist nun wieder leichtgängig und es können die nächsten Baugruppen in Angriff genommen werden.

    Ich werde berichten...


    Beste Grüße

    Bernd

  • Hallo Bernd,


    na wunderbar, du machst alles wieder wie neu! :97:


    Ist schon erstaunlich, wie manche es schaffen irgendwelche Teile an einem Mikroskop zu verbiegen.

    Es kann natürlich auch mal bei einem Transport passieren, wenn das Gerät nicht sorgfältig eingepackt ist.:rolleyes:


    Ich bin gespannt wie die Storry weitergeht.


    Gruß Detlef

  • Hallo Detlef,


    leider ist auch noch etwas zu Bruch gegangen, nämlich das Glas vom Lichtaustritt. Aber auch das dürfte sich ersetzen lassen.

    Manchmal werden die Geräte eben auch zu sorgfältig einepackt. Die vielen Styropoorkugeln waren zwar gut gemeint, sind aber auch leider in die Beleuchtungsstrahlengänge eingedrungen und haben diese regelrecht verstopft. :42:


    Beste Grüße

    Bernd

  • Weiter geht es mit der darunter angeordneten Auflichteinheit.


    Man hat am hinteren Gehäuse drei Einstellmöglichkeiten. Die Leuchtfeldblende, die Aperturblende und ein Hebel zur Dezentrierung der Aperturblende.


    Der Tubus für die Lichteinkopplung läßt sich einfach vom Revolverkopf abnehmen. Er ist in mehrere Gehäuseteile aufgegliedert, die sich durch Lösen der Madenschrauben trennen lassen. Nachdem die Hebel herausgeschraubt sind, lassen sich auch die Inneteile einfach entnehmen.

    Dazu muß zuvor der stirnseitige Deckel am Lichteintritt abgeschraubt werden. Aber Vorsicht, darunter befindet sich eine Druckfeder, die erst entspanntwerden sollte.


    Bei der Leuchtfeldblende lief der Stellring für die Lamellen etwas kratzig, was durch etwas Reinigen und Nachfetten behoben werden konnte.

    Beim Wiedereinsetzen in das Gehäuseteil wird die Irisblende durch die Madenschrauben geklemmt und gleichzeitig zentriert. Auch die Orientierung für den Hebelweg muß beachtet werden.


    Erheblich mehr Auffand entstand bei der Instandsetzung der Aperturblende. Sie war total fest und mußte in alle Einzelteile zerlegt werden

    Beim Wiedereinsetzen der Lamellen ist vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl angesagt.


    Wenn das nun geschafft ist, kann auch die Aperturblende wieder in das Zentriergehäuse eingsetzt werden. Sie wird über einen Schraubring geklemmt. Auch hierbei ist die richtige Orientierung zu beachten.


    Nach dem Anschrauben des hinteren Deckels wird die Aperturblende über eine Druckfeder in eine Zentrierposition gedrückt. Durch Bewegen des linken Hebels läßt sich die Aperturblende für bestimmte Kontrastzwecke dezentrieren.



    Zum Schluß kann auch die mattierte Linse in diesen Deckel wieder eingeschraubt werden. Damit wäre der Auflichtkondensor wieder einsatzbereit.

    Aber damit wären wir lange noch nicht fertig.


    Beste Grüße Bernd

  • Hallo Bernd,


    das Zusammenbauen einer Lamellenblende muss man schon mal gemacht haben, wenn es flüssig laufen soll.

    Ich bin da erst einmal dran gegangen, da ist mir so ein Teil auseinandergefallen. Erst nach einer längeren, nervigen Fummelei hatte ich alles wieder zusammen.

    Wenn ich etwas auseinanderbaue mache ich erst Fotos von dem noch zusammengebauten Teil, jedenfalls wenn ich daran denke. Das hat mir schon ein paar Mal beim Zusammenbauen geholfen.

    Ich habe jedoch schon länger nichts mehr zerlegt, da schaue ich mir doch gerne deine Serie an! :28:


    Gruß Detlef

  • Hallo Detlef,


    vor allem sollte die Pinzette nicht magnetisiert sein, sons bleiben die Lamellen ständig daran kleben und man kommt nicht voran.

    Fotos oder zumindest Hilfsskizzen können schon sinnvoll sein, damit alles wieder richtig zusammengesetzt wird, besonders wenn es mehrere Einbaumöglichkeiten gibt.

    Als nächstes wird das Lampenhaus drankommen, aber das hat wenigstens keine empfindlichen Kleinteile.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Weiter geht es nun mit der Instandsetzung des Lampenhauses:


    Das Lampenhaus hat drei Stellknöpfe zum zentrieren der Lampe und Fokussieren des Kollektors. Zwei dieser Stellknöpfe sind durch Verharzungen sehr schwergängig geworden. Auch der Kabelknickschutz ist vom Fassungsgehäuse abgebrochen.


    Nach dem Abnehmen der Seitenwand sieht man schon das Innenleben. Es empfielt sich zunächst die Kollektoroptik links und die Lampenfasssung herauszunehmen.


    Bei der Lampe handelt es sich um eine spezielle Glühlampe mit Flachwendelkern. Die Bajonettlappen am Sockel haben unterschiedliche Größen, so daß die Lampe nur in einer bestimmten Orientierung in die Fassung eingesetzt werden kann.


    Nach dem Abnehmen der Stellknöpfe kommen Sicherungsringe und darunterliegende Federscheiben zum Vorschein. Sind diese entfernt, können die Achslager herausgescharubt werden.


    Nach dem Lösen der beiden Senkschrauben lassen sich alles beweglichen Innenteile aus dem Gehäuse herausnehmen, um sie an den Lager- und Kontaktbereichen reinigen und neu fetten zu können.


    Der Einblick beim Wiederzusammenbau zeigt schon die Scheibe mit der Scheckenkurve für die Fokussierung des Kollektors. Über die vertikale Achse wird die untere Lampenhalterung in der Höhe verstellt.


    Der abgebrochene Kabel-Knickschutz konnte durch eine Messinghülse mit Lampengewinde M10x1 wieder repariert werden.


    Das Besondere an diesem Lampenhaus ist, daß es sich sogar mit zwei verschiedenen Lampenfassungen betreiben lässt.

    Statt der von hinten eingesteckten Glühlampe kann genausogut ein Halogensockel von unten eingesteckt und befestigt werden.

    Dieser läßt sich dann mit zwei Stellschrauben jeweils in der Höhe und auch in der Seite verstellen.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Nachdem wir uns mit den Anbauteilen beschäftigt haben, geht es nun an das Stativ, an dem einiges zu machen ist.


    Los geht es mit der klappbaren Feldlinse im Auflichtstrahlengang. Durch den Versand haben sich auch dort einige Schaumkugeln verirrt, die bei der Gelegenheit gleich rausgeangelt werden können. Die verstaubte Linse gehört mal wieder geputzt und das Ein- und Auslkappen soll wieder leichtgängig werden.


    Zwar ist die Einheit nur mit zwei Schrauben befestigt und läßt sich nach dem Lösen der Schrauben auch einfach herausnehmen, aber erst wenn eben dieser Stellknopf von der Achse abgezogen ist. Dazu bedarf es einer passenden Abziehvorrichtung.


    Und nun sind auch schon alle Teile ausgebaut und die Achse aus dem Rahmen genommen.


    Hier einmal die zu der Achse gehörigen Teile gezeigt. Nach dem Lösen der Stirnschraube läßt sich die Achse herausziehen. Die Federscheibe sollte dabei nicht verloren gehen bzw. vergessen werden.

    Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Als nächstes geht es dann an den Durchlichtbereich des Statives.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Und es geht auch schon weiter.


    Die Einstellung der Leuchtfeldblende ist etwas schwergängig. Um das bearbeiten zu können, muß die ganze Umlenkeinheit unter dem Lichtaustritt ausgebaut werden. Dazu muß zunächst der Knopf von der Achse für das Einschwenken der Feldlinse abgezogen werden.

    Danach ist der Fuß mit den Handauflagen vom Stativhals zu trennen. Dazu sind vier Innensechskantschrauben zu lösen.


    Die Umlenkeinheit läßt sich dann einfach nach dem Lösen der vier Befestigungsschrauben herausnehmen.


    Da nun etwas Schmierstoff zwischen die Blendenlamellen gelangt und mit der Zeit etwas verharzt ist, muß die Leuchtfeldblende nun zerlegt werden. Der Stellring kann nach dem Lösen der drei Befestigungsschrauben abgenommen werden.


    Nach dem Lösen der hinteren vier Schrauben läßt sich die Leuchtfeldblende nun weiter zerlegen. Die Lamellen müssen in Benzin gereinigt werden. Beim Zusammen bau ist auf die richtige Orientierung des Lamellenstellringes mit den Nuten zu achten. An ihm wird später der Stellring befestigt mit dem Segmentausschnitt für den Anschlag. Die dünne Federscheibe sollte vorsichtig behandelt werden, damit sie nicht knickt oder gar reißt.

    Der Schwergang des Triebes konnte durch Teildemontage verbessert werden.

    Fürs Erste soll es dann auch mal reichen, sonst hält man mich am Ende noch für einen Orthoplanisten.


    Beste Grüße

    Bernd

  • Moin Bernd,


    also ein Orthoplanist zu sein ist ja nicht gerade schlecht! :thumbup:

    Mit was für einem Werkzeug ziehst du die kleinen Schrauben ab, wie z. B. die Stellschraube der Klapplinse?

    Hast du das extra gebaut?


    Schöne Dokumentation ... Reha und Wellness für's Mikroskop!:97:


    Gruß Detlef

  • Moin Detlef,


    Danke für das Lob!

    Gebaut hatte ich das Werkzeug schon für etwas anderes. Das ist aber nun auch schon wieder einige Jahre her.

    Das hatte zwar nicht ganz gepasst, aber durch etwas Nachfeilen könnte ich es dann doch schnell verwenden.

    Aber sowas nachzubauen wäre eigentlich auch schnell gemacht. Auch zum Lösen der Feintriebknöpfe gibt es eigentlich eifache Hilfsmittel.

    So können die nächsten Orthoplane also ruhig kommen. :78:


    Beste Grüße

    Bernd

  • Hallo,


    für Radlager am Auto sind diese Abzieher in der Tat sehr nützlich. Bei diesen Knöpfchen hat es jedoch ein Stück Vierkantrohr und eine Schraube getan. Bei Interesse könnte ich mal eine kleine Skizze davon einstellen.

    Wenn man die Triebknöpfe abnehmen muß, auch die sind auf die Achse aufgepresst, nützen solche Abzieher nichts, weil dann nichts zum Hintergreifen ist, In dem Fall gibt es wieder eine andere Abziehmehtode, auf die man eingestellt sein muß.


    BG

    Bernd

  • Hallo Detlef,


    dazu habe ich eben mal ein 3D-Modell erstellt, so daß man diesen Abzieher sogar auch noch drucken könnte, wenn man wollte.


    Der Grundkörper wäre zunächst ein Viekantrohr in gleicher Kantenlänge abeschnitten (Würfel). Danach wird durch die obere Flächenmitte einmal durchgebohrt und später Gewinde geschnitten. Bei der Druckversion wird stattdessen eine Mutter eingesteckt.

    Auf der gegenüberliegenden Seite wird danach auf den nötigen Durchmesser aufgebohrt und danach aufgesägt, damit man den Knopf einfädeln kann.

    Anstatt der originalen Schlitzschraube nimmt man besser eine M2,5 Schraube mit Innensechskantkopf, die etwas länger sein muß.

    Der Druck für das Abziehen erfolgt dann durch eine weitere Schraube, die von oben eingeschraubt wird und auf die Schraube in der Achse wirkt.

    Wenn ich mal wieder etwas drucke, könnte ich dir den ja gleich mitdrucken. :)


    Beste Grüße

    Bernd

  • Na das ist ja eine gute Idee! :28:

    Einfach, effektiv und leicht nachzubauen. Das würde ich sogar schaffen!

    Aber nicht gedruckt,
    sondern aus einem Stück Vierkantrohr.

    Da kann man sich ja den Abzieher sparen und dieses kleine Hilfswerkzeug lässt sich je nach Bedarf leicht anpassen.


    Gruß Detlef

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